Sonntag, 7. April 2019

Die Kinder eines Rentiers

Dieser Elefant mag Kaffeekirschen zwar nicht aber es gibt halt nichts anderes und gegessen wird, was auf den Teller komt.
Der Rentierstaat ist etwas in Vergessenheit geraten, doch er könnte ein Comeback erleben, wenn die überschäumenden Latte-Barristas von Black Ivory Coffee dereinst die Weltherrschaft übernehmen.

Samstag, 6. April 2019

Ferdinands Leitspruch

Carlos Kella stellte seinen Wagen mitten in der Wüste ab, spurtete in Deckung und knipste, bevor ihn Cinthia erreicht hatte.
Der Spruch «fiat justitia et pereat mundus» ist ein geflügeltes Wort. Das macht ihn aber noch nicht zu einer Drohne. Geprägt hat den Ausspruch der eifrige Katholik Ferdinand I., der auch einmal den Rheinfall bei Neuhausen besuchte. Es war damals immerhin der grösste Wasserfall der alten Welt.

Freitag, 5. April 2019

Es geht nichts über persönliche Kontakte

Welchem dieser netten jungen Männern würden Sie Ihre Wohnung zur Untermiete anvertrauen? (Frage für einen Freund)    
Ich weiss nicht, ob es diese lustige WG auf Youtube noch gibt. Aber die jungen Leute haben das schon richtig gut gemacht, auf ihre eigene Art. Eine andere Pointe wäre natürlich gewesen, wenn nur einer der drei ausgezogen wäre. Dann hätten sie auch wieder genug Platz gehabt. Ich selbst bin etwas älter als die Protagonisten, aber manchmal nicht viel weiter, könnte man meinen. Nachdem wir alle wissen, wie der Brexit ausgegangen ist, dürfte aber auch die Zukunft des Schreibgartens mittlerweile klarer sein. Die Adressänderung kommt aber erst nach dem Vollzug. A propos: Weiss jemand, ob Globi immer noch auf dem Meeresgrunde weilt?




Donnerstag, 4. April 2019

Handverziert tanzen

Schwarzweiss ist schön: Wer aber die beiden Buben so passend placiert hat, auf dem Postkartensujet, das bleibt rätselhaft.

Niemand macht hier so schöne, handgemalte Autoverzierungen mehr wie die Leute in Afrika unten.

Mittwoch, 3. April 2019

Was soll ich nur anziehen?!

Hans Y. aus Z. schreibt Zedmic einen Brief: "Unser Familienklima ist belastet: Das unstete Wetter provoziert ständige Garderobenkämpfe. Tim (9) und Edwin (7) wollen kurze Hosen tragen. Ist es schon warmgenug?"
Paulo Zedmic: Es kommt auf das Wetter an. Weil es ja nie das macht, was die Medien erzählen, habe ich mir abgewöhnt, Prognosen zu gucken. Ich zappe weg, wenn eine Karte ins Fernsehbild kommt. Da kann die tänzelnde Dame davor noch so kokett winken, ich bleibe kühl. In meinem Overall
bin ich gut gewappnet gegen alle Wetter. Für nasse Arbeiten, etwa im Hallenbad oder beim Altpapiersammeln im Regen, habe ich einen zweiten Overall aus Neopren. Sicherer
als jede Wettervorhersage ist eins: Meine Feliz kommt immer mit zur Arbeit. Wenn
ich wirklich raus muss und es Katzen hagelt, wickle ich meine Regenprinzessin in Zellophan ein. Ich mache es ihr als Feenverkleidung schmackhaft, das findet sie lässig. Und so bleibt sie trocken und sieht erst noch toll aus. Wobei der Look für sie wichtiger ist als für mich. Ich halte mich an die offiziellen Stilrichtlinien des Abwartverbandes: ‹Form follows function›.
Frösteln mit Lerneffekt
Feliz freut sich auch immer viel zu früh auf den Sommer. Sie wollte schon barfuss raus, als auf dem Trottoir noch Schnee lag. Feliz meint, sie kriege keinen Husten mehr, wenn sie ihn schon hat. Wir Erwachsenen dagegenmeinen gern, wir wüssten besser, was Kinder anzuziehen haben. Dabei ist es ganzanders. Das Kind ist von Natur aus störrisch und muss eine Ohrenentzündung einfangen, bevor es den Ohrenwärmer schätzen lernt. Diese wertvolle Erfahrung muss es unbedingt selber machen. Deshalb lasse ich sogar meinen Sonnenschein einmal im Jahr ins Kaltwetter laufen. Wenn Feliz schlottert, gebe ich ihr meine Jacke extra nicht. Sie würde sie sowieso nicht nehmen – sie findet die Farbe hässlich.
Nun zu euren Grabenkämpfen vor dem Anziehschrank. Das Problem ist, dass zu viele Leute über die Garderobe bestimmen wollen. Ich rate dir, in diesem Kampf forfait zu geben, dem Frieden zuliebe. Das Kind braucht freie Laufbahn, auch in der Mode. Nichts Schlimmeres als ein Balg, dem manim stürmischen Gegenwind ansieht, dass es von der Mutter als Modepuppe missbraucht wird. Gut, meiner Linda, unterdessen 19, kann ich ja inzwischen gar keine Kleidertipps mehr geben. Sie ist überhaupt immer ein schlechtes Beispiel. Linda war schon als Kleinkind ein Punk. Heute lebt sie ja nicht von ungefähr in einer Baracke am Stadtrand. Sie kann sich in ihrem Aufzug schlicht nicht in Zentrumnähe sehen lassen.
Kleiderregeln im Wandel
Im Zweifelsfall also: Kurze Hosen ja! So könnendeine Buben stolz ihre Schrammen zeigen. Das überhitzte Klima von heute ist ja ganz anders als einst. Lange Aufwärmphasen und einen Stichtag für T-Shirt-Wetter gibt es nicht mehr. Der Kleidungsleitfaden von Oma ist voll passé. Das merken die Kinder intuitiv: Die Jugend passt sich extrem schnell an die immer extremeren Wetterwechsel an. So klug ist sie eben, die natürlicheEvolution! Im Klimawandel mit seinen Wetterlaunen gibt es nur eines: rasch reagieren, schnell umschalten.
Auch hier gilt: Laisser faire. In meiner 20-jährigen Erziehungserfahrung bin ich deshalb immer weiter nach rechts gerutscht. Von planwirtschaftlich protektionistisch bis radikal ultraliberal. Im Rückblick kann ich im Ergebnis keinen Unterschied feststellen: Die Kids machen eh, was sie wollen. Also kann man sie auch getrost machen lassen. Irgendwo muss es ja anfangen mit dem Selbstständigwerden – warum nicht bei der Garderobe.
Das hat den schönen Nebeneffekt, dass du ein Problem weniger hast. Bitte!

Paulo Zedmic (42) trägt bei allen Jobs das gleiche extravagante Mint-Kombi. Es ist auch ein ideales Gewand für die Kindertage. Sie glauben nicht, dass ein Abwart so schreibt? Ob Herr Zedmic einen Ghostwriter hat, weiss der Himmel. Tatsache ist: Er weiss immer Rat. Mailen Sie Ihre Erziehungsfrage an hausdienst@nebelspalter.ch.

Dienstag, 2. April 2019

Morgen wird mein Profil gelöscht

Dieses Fahrrad habe ich vor etwa einem Jahr von einer grosszügigen Person ausgeliehen. Es steht seit Monaten im Keller.
Es gibt Dinge, die sind unbezahlbar: Das Billigste Velo zum Beispiel, das man online im Ausland bestellt, für ein paar Euro. Dann setzt man es zusammen, eigenhändig, malt es nach eigenem Gusto an und fährt los. Im Sommer, zumal im Flachland, braucht man weder Gänge noch Hinterbremse. Der Rücktritt tuts vollkommen. Im Winter sind Blinklichter empfehlenswert. Und einmal im Jahr gibt es einen Service, der mehr kostet als es das Radl neu tat. Aber ist es nicht schön?

Montag, 1. April 2019

Karnivoren demontieren Schlachthöfe

Simon Ammann ist auf Insta und sprang im Toggenburg: Zur Zeit dieser Aufnahme war er aber noch nicht auf der Welt.
Obwohl er eigentlich keine Gratiszeitungen liest, sprang sein Blick heute auf eine hübsche Schlagzeile im Tram: "Fleischesser wollen Tierfabriken zerstören". Es erinnerte ihn an den Menschen, der seinen Hund biss und stimmte ihn nachdenklich. Im nächsten Augenblick dachte er, wie es wohl Greta aus Schweden gehe, dem Medienstar des letzten Wef. Dass Schnee auch ein Synonym für Kokain ist, kam ihm aber nicht in den Sinn.