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Samstag, 13. Juli 2019

Der Bluffer setzt sich durch

Indurain und Ulrich: Beide haben nie eine Sprachschule besucht, geschweige denn einen Sprachaufenthalt absolviert.
Rennvelofahrer, die von allerlei Firmen gesponsort zu Höchstleistungen angetrieben werden, leiden gern. Bei Indurain wussten die Gegner nie, ob er vor Spass oder vor Schmerzen lachte, bis er einmal am Berg entthront wurde. Die Velos der Marke Giant aber wurden wie Cannondale aus der Siegerliste der Tour de France gestrichten. Wegen Doping! Andere zahlen für solche Schleichwerbung.

Freitag, 17. Mai 2019

Unsere teuersten Prestigesubjekte


Andy beim Frühstück: Das Team Gavel bestreitet auch dieses Jahr wieder einen Veloevent, aber Andy hatte 2018 genug.

Wir haben nie ausgerechnet, ob wir uns Kinder überhaupt leisten können. Geschweige denn, ob wir es können. Bevor wir Kinder hatten, waren meine Liebste und ich uns gegenseitig lieb und teuer. Wir hatten beide den Ehrgeiz unabhängig zu sein und genossen unsere Freiheit, auf eigenen Beinen zu stehen. Als unsere älteste Tochter zur Welt kam, gründeten wir ein Foyer Familiale, fanden rasch eine günstige Wohnung und lebten froh unser neues Leben.
Ein Baby kostet ja nichts, es lebt von Muttermilch, Luft und Liebe. Und den Posten für die Wegwerfwindeln im Haushaltsbudgetverkraftet man easy durch Einsparungen am Samstagabend: Happy Day am TV kommt um einiges billiger als durch die Clubs der Stadt zu torkeln. Das Haushaltsbudget gab es selbstverständlich nie - und es wird es auch nie geben.  
Selbst in den Ferien hat sich nicht viel geändert, in den ersten Babyjahren: Ein bisschen mehr Planung, etwas mehr Konstanz und ein Mü mehr Kinderfreundlichkeit bei der Auswahl der Unterkunft. Als wir in Loco einmal mit der einjährigen Tochter in ein dunkles, kaltes Loch eincheckten, im Internet gebucht, wo wir als Paar wohl einfach weitergezogen wären, hatte ein Nachbar Erbarmen und bot uns just seine neu renoviertes Ferienstudio an, hell und sauber, mit Naturjacuzzi im Garten, wo es sich wunderbar ausspannen ließ.
Fieserweise bleibt der Kostensprung noch eine Weile aus, und bevor wir auf der Budgetseite einen Ausgabenüberschuss bemerkten, war ein zweites Kind auf dem Weg. Wiederum ungeplant, immerhin hatte die Zweitgeborene den Vorteil von geregelten Verhältnissen. Und wenn es zweitelts, so drittelt’s: Bevor wir uns versahen, gesellte sich ein Bub dazu, mit gebührendem Abstand von ein paar Jahren. Die Älteste war unterdessen im Kindergarten und begann langsam, mehr zu essen. Um die Kleider kümmert sich bei uns meine Teuerste, da sind wir ganz Traditionalisten.
Wir begannen uns nun langsam Gedanken über die Familienplanung zu machen, doch wirklich viel Geld kosteten die Zöglinge immer noch nicht. Meine Teuerste stattete die Kinder aus und machte aus dem stolz angeschwollenen Kleiderumsatz der kleinen Schar einen blühenden Secondhand-Handel. Sie hat ein goldenes Händchen und die Leidenschaft, um aus den Börsen der Wegwerfgesellschaft die schönsten Einzelstücke herauszusuchen. Und das Essen ist im Luxusland Schweiz der kleinste Budgetposten. 6 Prozent, mit Cumuluspunkten kann man ein bisschen was sparen. Und mit Glück fanden wir eine grössere Wohung, doppelt so teuer wie die alte zwar, dafür mit genug Platz und Geschirrspüler, ein Quantensprung!
Kinder sind ein antikapitalistisches Projekt, selbst wenn es sie zu kaufen gäbe, wären sie rein marketingmässig unverkäuflich: Ladenhüter: Wer würde ein Produkt kaufen, das jedes Jahre teurer wird, ohne Kostendach, eine ungebremste Kostenexplosion quasi, und dann gibt es nicht mal eine Gebrauchsanweisung dazu. Gleichzeitig will man ja auch etwas Zeit mit den Kindern verbringen, was heisst, dass man weniger Zeit hat um Geld zu verdienen. Nun, wir sind privilegiert, wir leben in einer grosszügigen Stadt, die uns trotz des prekären Einkommens die externe Betreuung ermöglicht. Und nicht zuletzt sind wir auch privilegiert, was die Grosseltern unserer Bande betrifft: Ohne Zustüpfe würden wir uns wohl weder regelmässige Ferien noch ein Auto leisten. Fürs soziale Prestige jedenfalls brauchen wir keine Objekte, da sind uns unsere teuersten Subjekte Teil genug.   

Sonntag, 22. April 2018

Die kriminelle Energie des Weltmeisters auf Glatteis

Die Koreanerin war zum Zeitpunkt des Malheurs klar vorne. Leider nützte dies ihr ebensowenig wie den Verfolgerinnen.
Riddick Bowe und Michael Moorer waren zwei begnadete Boxer, die es bis zum Weltmeister brachten. Beide sind jedoch wieder in der Versenkung verschwunden. Es ist trotzdem denkbar, dass sie den Ident-Check von Lebara-mobile bestehen würden. Im Gegensatz zu Panama.

Mittwoch, 18. April 2018

Lücksmomente für Frohstoffhändler

Kaum jemand wird einen Thesaurus Rex auf eine Weltreise mitschleppen. Es sei denn es Freubeuter oder Kopfweltjäger.
Ach, Wortschöpfungen sind eine Freude. Der Luzerner Künstler René Gisler ist darin ein Ausnehmetalent. Sein Frühwerk hiess der Enzyklop. Im längst vergriffenen Luzerner Magazin Montag habe ich ihn einmal beschrieben. Gisler hat seine Spielfreude an Wortverdrehungen und kreativer Lexikalität zum Glück nicht verloren. Nach 15 Jahren ist nun sein neustes Werk druckreif: Thesaurus rex. Bei der Sammelseite Wemakeit kann jeder mitmachen, den Weltzer unterstützen und - je nach Portmonee - Poetry Spammer, Vielleichtathlet oder gar Mäzenbuddhist sein. Was das alles heisst? Das steht dann eben im Buch drin.

Mittwoch, 21. März 2018

Die Richterin und das Ohä

Boccia müsste man natürlich neben Golf und dem Velofahren auch erwähnen unter den Sportarten, wo Rauchen erlaubt ist.
In der Woz las ich neulich einen Text über den bösen, guten Riesen Dutti, der ja als Stumpenraucher und Millionär zeitlebens für die Hausfrau eintrat. Sein Waschmittel hiess Ohä. Wenn man historische Persönlichkeiten auch nominieren könnte, würde ich Dutti jederzeit als Helden des Alltags wählen.