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Donnerstag, 11. Februar 2021

Demokratie ohne Journalismus

Das portugiesische Fatima war berühmt für Marienerscheinungen und Dinosaurierspuren. Die drei Sonnen dagegen nicht.
Andros trank viel Wein und er ass kübelweise Schokolade, während er die Webstatistiken in Artikeln der Republik über die NZZ in Deutschland akribisch nachrechnete. Er schüttelte nur der Kopf, dass diese Rechnung aufgehen konnte. Aber leider tat sie es, die Rechnung. Sie ging auf und davon.

Dienstag, 31. März 2020

Wie gelingt der Aprilscherz?

Am 1. April hat jeder die Lizenz zum Veräppeln. Die sollte man unbedingt nutzen. Und zwar so.
Damit der Aprilscherz nicht misslingt, befolgt man acht Regeln. Der Rest ist Fantasie.  

Erstens: Es heisst nicht umsonst in den April schicken. Zum Aprilgaudi gehört ein aufgezwungener Ortswechsel des Opfers. In Ausnahmefällen kann es aber auch ein tele-fonischer Rückruf sein. Etwa wenn sich ausgerechnet heute gleich zwei Flammen des verliebten Mitbewohners gemeldet haben. Natürlich kleben wir ihm diese frohe Botschaft auf Zetteln an die Zimmertüre. 
Zweitens: Jeder glaubt gern an das, wovoner heimlich träumt. Darum sollte dein April-scherz die Schwachstelle deiner Liebsten angreifen. Den Helikopterfan schickt man zur Helilandung, die Anhängerin von Tom Lüthi mit ihrem frisch geborenen Sohn zum Baby-Talent-Testfahren ins Emmen Center. 
Drittens: Ausser dem Ego des Opfers sollte nichts Schaden nehmen. Lass dem Nachbarn nur eine unbestellte Pizzaliefern, wenn du sie danach auch bezahlst. 
Viertens: Aktualität erhöht die Glaubwürdigkeit. Ich könnte wetten, dass es im Entlebuch plotzlich noch gratis WM-Tickets gibt. Gratisangebote sind überhaupt bewährte Lockmittel. Auch die Exklusivität hat schon manche Verehrerin an eine Privatshow gezogen. Sind nicht Tokio Hotel inder Nähe? 
Fünftens: Keiner zu klein, ein Scherzkuchen zu sein. Wer würde dem Buben nichtglauben und ihm den verlorenen Ball vom Garagendach holen? 
Sechstens: Je absurder der Scherz, desto diebischer die Freude. Wer will an der Tankstelle Benzin umtauschen? Oder wo gibtsendlich ein Medikarnent gegen die Ansteckung mit Computerviren? 
Siebtens: Die wichtigste Regel: Ernst bleiben und die Sache durchziehen. Nichts Unlustigeres als ein verfrühtes «April, April», wenn Grosspapa erst den Mantel von der Garderobe nimmt. 
Achtens: Zum vollendeten Aprilscherz gehört die Überraschung des Reingefallenen am Ort des Witzes. Hier kann man nun «April» jauchzen und sich mit dem Opferlachend versöhnen. Viel Spass!

Mittwoch, 11. März 2020

Schnaps, das war sein letztes Wort

Zeppi, der sich zu den Lupi Grigi gesellte, zündete sich in der Pause gern eine Zigarette an. Es ist ja nur einmal Tag X.
Am Aschermittwoch aber fing er ein neues Leben an und erfand sich neu. Als erstes ging er in einen Tatooshop, dann hörte er auf mit Rauchen und als Drittes beschloss er, alle seine Bücher einzeln zu verkaufen. Dies sollte dann aber wieder einige Wochen dauern, und er fiel in alte Muster zurück.

Montag, 15. Juli 2019

Zwei Routen, um vom 100. ins Tausendste zu geraten

Werbung im Sportzentrum der ETH: Lass dir dein Lehrbuch sponsern!
Bobbie überlegte geschlagene zwei Stunden lang, ob er im Sommer in den Alpstein faulenzen soll oder doch eher eine nette Stadttourismus-Safari mit Schokoladenmuss in Berlin buchen sollte. - 

Sonntag, 23. Juni 2019

Wenn du mich heute nicht heiratest, dann wird das nie was

Bunte Zirkuswelt: Woran erkennt man ein Raubtier? "Ich weiss, wenn ich eins sehe." Und sonst am brennenden Feuerreifen.
Das Gelübde wurde feierlich mit ein paar Blutstropfen besiegelt. Denn sonst ist ein Pakt mit dem Pack natürlich nicht das Papier wert, auf dem er notiert wurde. Der Sohn stellt die richtigen Fragen.

Mittwoch, 19. Juni 2019

Der Cargokurier bringt die Post und muss nicht mal klingeln


Trump ist dicker, aber er trägt eine gestreifte Krawatte, was ihn ein bisschen lächerlich aussehen lässt vis-à-vis des Sumos.

Also wer bringt jetzt die Post? Ist es die ominöse Firma mit den vielen Mutationen im Register? Ist es der Velokurier Luzern Zug oder ist es der junge Mann, der mit seinem Handy den Sattel richtet und funkt während der Pause. Darf man ihn anquatschen? Einfach so, während der Zigarettenpause, selbst wenn er einen Rucksack mit Werbung der Lungenliga trägt? Nun, ein Werbeopfer der Zeit stellt sich viele Fragen. Die Antworten sich auszudenken ist mitunter viel schwieriger.

Montag, 25. März 2019

Der ewige Test

Alvagni ist neudeutsch für Alvaneu. Der Ort ist weniger für sein Fürstentum bekannt als für die innovative Hotelerie.

Dienst nach Vorschrift genügt nicht. Es ergibt auch keinen Sinn, Spaghetti Carbonara zu kochen, wenn man weiss, dass eines von drei Kindern dieses Gericht nicht mag. Dann muss man halt etwas neues suchen.   
Mütter bevorzugt - und jetzt?
Lotte findet Mama besser als mich. Naja. Das kann ich nicht ernst nehmen. Es ist im Grunde erstaunlich, dass immer noch jede zweite Ehe hält. Die Unverbindlichkeit, das Wagnis, dass man eben nie im Voraus weiss, was kommt, das ist der Reiz. Ja, Kinder haben ist die Challenge meines Lebens. Und ich gebe zu, es bringt mich fast täglich an den Rand der Überforderung. Nun gut, vielleicht übertreibe ich wieder. Aber meine Partnerin übertreibt es auch gerne, deswegen haben wir vor Jahren ja auch zusammen gefunden. Ja, man kann scheitern. Und früher oder später verlieren alle. Aber die
Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. Es hat eine Weile gedauert, bis ich es gecheckt habe. Aber wie die meisten Sprichwörter ist halt auch dieses leider sehr wahr. Das Abenteuer Elternsein hat mich schleichend eingeholt, vom Überschuss an Lebenslust ist zwar noch ein kleiner Rest da, aber es fehlt die Zeit, um sie einzulösen. Denn das eigene Glück steht nicht mehr im Zentrum. Am meisten stresst mich, dass jetzt alles so effizient sein muss. 
Die Dekade des Bienenfleisses endet abrupt
Ich habe mich nun auf die Dekade im Zeichen des Bienenfleisses eingestellt. Willkommen in der Verantwortung, die man nirgends bestellen würde, wenn es die Kinder im Katalog gäbe. Aber sie wird einfach mitgeliefert, beziehungsweise mehrfach, gopf! Plötzlich ist man Vorbild, kann sich keinen Mist mehr erlauben. Und nicht einmal mehr ungeniert herzhaft fluchen. Alles wird sofort abgeschaut und kopiert. Immerhin gesünder ist das Leben geworden: Für Rauchpausen fehlt die Zeit.  
Der Zusatzaufwand für die unmündigen Haushaltsmitglieder wäre ja noch zu leisten, man kann sich das aufteilen, wo man praktischerweise schon zu zweit verantworltich ist für das Chaos: Waschen, Aufräumen, Verpflegen, ok, sie können es ja noch nicht. Das gehört dazu.
Aber wo es aufhört, lustig zu sein, ist diese geballte Unvernunft, die im täglichen Umgang immer wieder hochkommt. Es sind Punks, man kann es nicht anders sagen. Diese diabolische Lust am Provozieren, woher haben die das nur? Nun will er sich nicht anziehen. Einfach so. Kategorisch. Und wieso soll ich nun ruhig Blut bewahren, liebevoll Verständnis äussern, taktisch klug Alternativen vorschlagen, wenn ich doch viel lieber die Herausforderung annehme, mit dem zweijährigen Trotzkopf lustvoll zu streiten. Auf Augenhöhe, versteht sich, wie ich es schon mit seinen älteren Schwestern immer noch tue. Sollen die mal vernünftig werden. Ach, leider sind sie es noch weniger als ich. 
Elterntest und Dienstpflicht
Unterdessen steht für mich fest, dass ich den Elterntest nie bestanden hätte, wenn es einen gäbe. Bei Geduld und Sanftmut wäre mir bei der Prüfung der Faden mehrfach gerissen und in der Königsdisziplin „Denken für andere“ hätte ich versagt, weil ich vor lauter Hirnen mich selbst vergessen hätte. Wie simpel und lustig war mein Leben, als ich noch allein war! Im Militär habe ich den Tagesbefehl verachtet und demonstrativ nie eines Blickes gewürdigt. Nun finde ich mich jeden Morgen vor dem Familienkalender und checke die diversen Aktivitäten der Kleinen. So eine Liste hilft beim Führen von potenziellen subversiven kleinen Kämpfern. Und wenn wir schon beim Militär sind (Dienstpflicht erfüllt!) Noch so ein Ärgernis, das man sich mit der Familie einhandelt: Plötzlich hat man den Führungsjob, den man nie anstrebte. Leider ist er schlecht bezahlt. Aber man soll ja immer auf einer positiven Note aufhören. Und es wird ja zum Glück immer besser: Seit neustem deckt sich unser Frühstückstisch vollautomatisch, und wenn alle fertig sind, wandert alles wieder zurück an den Ort. Cool, oder? Soll noch jemand sagen, die Gesellschaft mache keine Fortschritte. Und das machen natürlich auch die Kinder – von alleine.

Samstag, 9. März 2019

Aber hallo, was machst du noch hier heute?

Der Silberpfeil mit der Nummer 16 hatte im Vergleich zu heutigen Zeiten relativ viel Platz um das Auto herum.
Da auf meiner Bucketliste seit Menschengedenken der Autosalon in Genf steht. Einmal möchte ich täglich von da berichten. Im Stil soll es etwa werden wie diese David-Hasselhoff-Kreuzfahrt-Story.

Freitag, 11. Januar 2019

Enthusiastische Finanzlochplanung

Das Goldene Herz 2019 geht an diese beiden freundlichen Staatsmänner: Mao (links) und Xi (rechts) werden es richten.
Profis stürzen sich gern prozyklisch ins Januarloch und brechen sich schon im Q1 oftmals einige Knochen. Amateure aber mit Sinn für die Bremsgesetze tätigen Anfang Jahr ganz unbeschwert Ausgaben, da das Budget im jungen Jahr noch einige Risiken verkrafen mag. Skiferien etwa.

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Das ungenutzte Potenzial der ganzen Menschheit

Un hydraulico classico - totalmente normale, pero molto veloso e simpatico.
Sekten haben ja die Eigenart, dass sie menschliches Potenzial bis auf den letzten Tropfen der Zitrone ausnutzen möchten. Freie Sportlergruppen wie etwa die Spinner vom Kreis 5 dagegen mag ich mehr.

Mittwoch, 27. Juni 2018

Wollen wir jetzt schon den Heimflug nehmen?

Es kommt immer darauf an, womit man sich vergleicht: Mit dem Velo wäre diese Route in drei Wochen zu schaffen.
Nischni Nowgorod wäre nur schon wegen dem Ortsnamen eine weite Reise wert. Vielleicht sollte man in einem Jahr ein paar Wochen frei nehmen, um an den Ort des denkwürdigen Spieles zu pilgern.

Montag, 23. April 2018

Australien ist jetzt schon seit einem Monat online

Auf diesem Bild ist kein australisches Tier zu sehen, schon gar nicht ein Schabeltier. Es sind nur vier gemeine Alpsäue.
Vor kurzem ist dieser Blog schleichend online gegangen, und als Zoogänger musste ich auch feststellen, dass ich die Eröffnung der Australienabteilung im heimischen Zoo leider verpasst habe. Wiewohl natürlich auch über diesen Ortstermin gebührend berichtet wurde. Glücklicherweise bin ich aber auch weiterhin Zeitungsleser und in der Lokalpresse erschien ein hübscher Artikel über das unbekannte Land und das fehlende Tier, auf den ich hier gerne verweise. Print matters!

Donnerstag, 13. Juli 2017

Muss ich der Kleinen immer folgen?

Einmal mehr hat die Leserfrage nichts an Brisanz eingebüsst. Ganz im Gegenteil!
Meine Tochter Lisa akzeptiert meine Autorität einfach nie. Ich kann befehlen und drohen und schlagen, wie ich will. Sie kommt mir frech und macht, was sie will. Wie weiter? Rolf B. aus Z.

Paulo Zedmic: Immer ruhig, Kollege! Beim ersten Mal ist mir diese Falle auch passiert. Deshalb ist mein ältester Sebastian etwas schiefgeraten. Seine Mutter Yvonne hatte aber auch null Autorität. Also musste ich es richten. Ich machte es auf die harte Tour – die Diktatur, verstehst du? Aber, ich sage dir, damals habe ich gelernt: Die Brechstange ist kein gutes Werkzeug für die Erziehung. Man kann damit einen Spind öffnen, ok. Oder ein Loch graben im Rasen. Für Pfähle oder für einen Zaun oder für einen Baum zu pflanzen, egal was, das geht. Dafür ist die Brechstange da. Aber zum Züchtigen nützt sie nicht. Eisen ist viel zu hart, ich schwöre es! Ich rate dir also, Kollege, hör auf mit Schlagen und Toben. Es bringt nichts. Die Jungen machen eh, was sie wollen. Du sagst es ja.
Dreh wie am Grillspiess
Also was ist besser? Ich habe viel nachgedacht. Mein Freund Basil ist Philosoph. Er hat mich auf die Lösung gebracht: Wenn die Brechstange nichts nützt, muss man sie umdrehen!
So bin ich mit jedem meiner Kinder lockerer geworden. Sie wollen nicht, was du willst? Lass sie laufen! Bei meinem jüngsten Engelchen Feliz befehle ich gar nichts mehr.
Ich folge ihr! Das rate ich dir, mein Freund, tu einfach das, was die Tochter sagt. Du musst nur anders denken. Wer ist König? Das Kind ist der König! Basil hat schon recht: Regieren ist eine schwere Bürde. Das Sprichwort aber «Wer zu alt, befiehlt», das ist falsch.
Es stimmt überhaupt nicht! Lass deine Tochter befehlen. Wenn sie alles selber machen muss, bist du erleichtert. Wie wenn du ein Eisenrohr fallen lässt. (Aber nicht auf deine Füsse!)
Klar, manchmal musst du drohen. Am besten dafür sind leere Drohungen. Ein kleiner Tipp, mein Freund: Man muss die Strafe nie sagen! Sie wollen ja nur, dass man tobt. Wenn mir jemand an eine weisse Wand kritzelt, stehe ich nur hin und rassle mit dem Schlüsselbund. Dazu schaue ich grimmig. Ich sage aber nichts. Extra! So malen sich die Bengel selber aus, was geschehen wird, wenn ich sie nochmal erwische. Zum Beispiel: Ich verfüttere ihnen den Schlüsselbund. Oder ich hänge mir einen Teufelsbraten an den Gürtel statt der Schlüssel. Oder noch etwas Schlimmeres!
Strafe mit Fantasie
Ich weiss noch etwas, das ist viel besser: Du lässt dir drohen. Dann kannst du frech zurückgeben. Mein Louis ist 9 Jahre alt. Er droht mir ständig: Wenn du mir kein Glacé gibst, laufe ich weg. Wenn ich ins Bett muss, schreie ich laut für immer. Ich sage dann: Gut, schrei du und spring herum. Ich gehe unterdessen ins Casino oder lese draussen in der Bibel. Da steht es übrigens auch schon drin, beim Spruch Nummer 15 und 32: «Wer sich nicht ziehen lässt, der machet sich selbst zunichte.» Also musst du dich erziehen lassen, sonst gehst du daran kaputt! Ich suche jetzt selber auch einen Kindergarten ohne Autorität für Feliz. Aber so wie es ausschaut, gibt es das gar nicht mehr, nirgends. Oder kennst du noch einen? Eben.
Nerven wieder geflickt
Gehorchen kommt von horchen. Deshalb musst du die Ohren immer fest spitzhalten. Was will deine Tochter? Ja will sie denn überhaupt etwas? Viele Kinder wollen ja in Wirklichkeit gar nichts. Dann kannst du dir alle beide Beine ausreissen, es hilft so viel wie ein Mann, der ein Haus stemmt: Nada! Besser, du lässt die Tochter in Ruhe, dann hast du Frieden. Und deine Nerven heilen rasch. Wie ein abgestecktes Rasenfeld, frisch angesät. Nach vier Wochen ist es wieder schön grün.