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Sonntag, 2. Juni 2019

Familienkutschen kosten ja nichts


Bevor unser Kolumnist eine Familie hatte, brauchte er auch kein Auto. Nun wundert er sich, wie das ungeliebte Fahrzeug in sein Leben gerollt ist.

Autos sind doof. Ich war nie ein Autofan. Trotzdem denke ich manchmal, es wäre schön, einmal ein Auto zu kaufen. Neulich las ich auf Twitter, dass Google bald den automatischen Fahrer ohne Auto präsentiert. Und die Langstrasse wird auch bald autofrei. Der Fortschritt ist also unaufhaltsam. Und das Automobil dem Tod geweiht. Aber wenn es sein muss und aus Kübeln hagelt, sind wir natürlich trotzdem froh, den Führerausweis zu besitzen. Die Lizenz zum Kutschieren, quasi.

Dienstag, 21. Mai 2019

„Was glaubt ihr denn, was Gretchen glauben soll?“

Es ist ja bekannt: Unser Autor hat die Tendenz, zentrale Fragen dem Lauf der Dinge zu überlassen. Fatal!
In bangen Momenten glaube ich gar nichts mehr. Aber an sich selber, das muss man glauben. Sonst verzweifelt man ja. Und die Kinder haben das auch drin, das gesunde Gottvertrauen. Der Gemeinschaftssinn. Das hat nichts mit Religionen zu tun. Und die Werte werden vermittelt.
Bitte konkret: Santa Claus und Christkindli. Grandios gescheitert mit der Passionsgeschichte. wie aber trotzdem den Kindern erklären, dass man etwas glaubt? Den kindlichen Glauben so lange wie möglich hegen und pflegen? Es ist Zeit für ein Glaubensbekenntnis, mein Vater unser aus dem Vaterland, denn was, wenn nicht die Werte, macht eine gute Erziehung aus? Ich glaube gar nichts, das ist leider eine Berufskrankheit, da kann ich nichts dafür. Aber wenn schon, dann glaube ich eher an eine Kirche, meinetwegen den Staat als an Götter wie Mammon oder eine politische Partei. Die Macht muss geteilt werden, das ist das zentrale.
Das soll man ja weiss Gott nicht dem Zufall überlassen, ich erachte es sogar als höchste Elternpflicht überhaupt, die richtigen Werte zu vermitteln.
Die richtige Religion ist dabei natürlich Nebensache, weil es keine richtige gibt. Die wichtigsten Werte mögen wohl christlich sein, die finden sich aber auch in allen Kulturen, soviel Relativismus muss sein.
Gern würde ich dieses zentrale Sache der Erziehung an meine Partnerin delegieren, Religion ist ja traditionellerweise Frauensache, hier unterscheiden sich Christen nicht von Juden, aber vielleicht von Muslimen. Nur leider sind meine Liebste und ich uns da nicht einig: Beide haben wir einen sehr ähnlichen Hintergrund mit pragmatisch katholischer Erziehung genossen, beide haben wir unseren kindlichen Glauben abgelegt, aber sie lehnt das Brimborium der Liturgie ab, ich dagegen trauere dem Niedergang der regionalreligiösen Alltagskultur nach. Wie immer setzt sich die Regierung durch. Der Hausfrieden ist auch für mich wichtiger als die Deutungshoheit über die Staatsreligion.
So sind, obwohl wir beide nie mit der Kirche gebrochen haben, ergo Passivmitglieder sind, die sich mehr oder weniger für Glaubensfragen interessieren, war uns beiden die Vorstellung unvorstellbar fremd, in einer Kirche zu heiraten. Noch weniger auf dem Standesamt. Dort meldeten wir aber jedes unserer Sprösslinge verantwortungsfall an, aber keines wurde getauft.
Beruhigend ist, dass es vielleicht wirklich nicht draufankommt. Werte werden gemeinsam täglich gelebt, das gilt für die Arbeit (im Haus und ausserhalb) ebenso wie für Musik, Geselligkeit, Ordnung, Familie. Das wichtigste? Die Liebe.
Die familiäre Gemeinschaft: Den Kinder Geschichten erzählen, ihnen zuhören, wie man miteinander redet und Fragen ernst nehmen. Konflikte gewaltfrei lösen, selbst wenn man noch etwas stärker ist und am Ende der Nerven. Was ja in den besten Familien vorkommt.
Konkret: Das Christkindli. Und dass der Karneval zu Helloween ist nur ein Nebenschauplatz. Man kann ja an Allerheiligen trotzdem mit den Kindern auf den Friedhof gehen. Was wir übrigens früher nie gemacht haben. Stille Bräuche sind ganz simpel wiederzubeleben.


Freitag, 17. Mai 2019

Unsere teuersten Prestigesubjekte


Andy beim Frühstück: Das Team Gavel bestreitet auch dieses Jahr wieder einen Veloevent, aber Andy hatte 2018 genug.

Wir haben nie ausgerechnet, ob wir uns Kinder überhaupt leisten können. Geschweige denn, ob wir es können. Bevor wir Kinder hatten, waren meine Liebste und ich uns gegenseitig lieb und teuer. Wir hatten beide den Ehrgeiz unabhängig zu sein und genossen unsere Freiheit, auf eigenen Beinen zu stehen. Als unsere älteste Tochter zur Welt kam, gründeten wir ein Foyer Familiale, fanden rasch eine günstige Wohnung und lebten froh unser neues Leben.
Ein Baby kostet ja nichts, es lebt von Muttermilch, Luft und Liebe. Und den Posten für die Wegwerfwindeln im Haushaltsbudgetverkraftet man easy durch Einsparungen am Samstagabend: Happy Day am TV kommt um einiges billiger als durch die Clubs der Stadt zu torkeln. Das Haushaltsbudget gab es selbstverständlich nie - und es wird es auch nie geben.  
Selbst in den Ferien hat sich nicht viel geändert, in den ersten Babyjahren: Ein bisschen mehr Planung, etwas mehr Konstanz und ein Mü mehr Kinderfreundlichkeit bei der Auswahl der Unterkunft. Als wir in Loco einmal mit der einjährigen Tochter in ein dunkles, kaltes Loch eincheckten, im Internet gebucht, wo wir als Paar wohl einfach weitergezogen wären, hatte ein Nachbar Erbarmen und bot uns just seine neu renoviertes Ferienstudio an, hell und sauber, mit Naturjacuzzi im Garten, wo es sich wunderbar ausspannen ließ.
Fieserweise bleibt der Kostensprung noch eine Weile aus, und bevor wir auf der Budgetseite einen Ausgabenüberschuss bemerkten, war ein zweites Kind auf dem Weg. Wiederum ungeplant, immerhin hatte die Zweitgeborene den Vorteil von geregelten Verhältnissen. Und wenn es zweitelts, so drittelt’s: Bevor wir uns versahen, gesellte sich ein Bub dazu, mit gebührendem Abstand von ein paar Jahren. Die Älteste war unterdessen im Kindergarten und begann langsam, mehr zu essen. Um die Kleider kümmert sich bei uns meine Teuerste, da sind wir ganz Traditionalisten.
Wir begannen uns nun langsam Gedanken über die Familienplanung zu machen, doch wirklich viel Geld kosteten die Zöglinge immer noch nicht. Meine Teuerste stattete die Kinder aus und machte aus dem stolz angeschwollenen Kleiderumsatz der kleinen Schar einen blühenden Secondhand-Handel. Sie hat ein goldenes Händchen und die Leidenschaft, um aus den Börsen der Wegwerfgesellschaft die schönsten Einzelstücke herauszusuchen. Und das Essen ist im Luxusland Schweiz der kleinste Budgetposten. 6 Prozent, mit Cumuluspunkten kann man ein bisschen was sparen. Und mit Glück fanden wir eine grössere Wohung, doppelt so teuer wie die alte zwar, dafür mit genug Platz und Geschirrspüler, ein Quantensprung!
Kinder sind ein antikapitalistisches Projekt, selbst wenn es sie zu kaufen gäbe, wären sie rein marketingmässig unverkäuflich: Ladenhüter: Wer würde ein Produkt kaufen, das jedes Jahre teurer wird, ohne Kostendach, eine ungebremste Kostenexplosion quasi, und dann gibt es nicht mal eine Gebrauchsanweisung dazu. Gleichzeitig will man ja auch etwas Zeit mit den Kindern verbringen, was heisst, dass man weniger Zeit hat um Geld zu verdienen. Nun, wir sind privilegiert, wir leben in einer grosszügigen Stadt, die uns trotz des prekären Einkommens die externe Betreuung ermöglicht. Und nicht zuletzt sind wir auch privilegiert, was die Grosseltern unserer Bande betrifft: Ohne Zustüpfe würden wir uns wohl weder regelmässige Ferien noch ein Auto leisten. Fürs soziale Prestige jedenfalls brauchen wir keine Objekte, da sind uns unsere teuersten Subjekte Teil genug.   

Montag, 13. Mai 2019

Was ist euer Deal?


Als Individualisten tun sich der Autor und seine Partnerin schwer mit Verträgen. Ihr Erziehungsdeal ist fifty-fifty, über den Daumen gepeilt. Und für die Vorsorge bleibt nun wirklich keine Zeit. 
Als mein Lieblingsmensch und ich neulich auf dem Standesamt waren, heirateten wir natürlich nicht. Wir dachten nicht daran, wozu auch? Der Staat hat ein wachsames Auge auf unsere kleine Grossfamilie geworfen, und deshalb wurden wir bisher nach jeder Geburt eines unehelichen Kindes aufs Amt zitiert, um den Sorgerechtsvertrag zu unterzeichnen. Das hat nie weh getan, obwohl dieses Aufgebot eine Diskriminierung von unverheirateten Eltern ist, weil verheirateten Paaren dies erspart bleibt: Ein freundliches Beratungsgespräch, ein paar Belehrungen und Unterschriften, das wars. So lange kein Kind auffällig wird, kriegt man es nie mehr mit der Kesb zu tun. Knock On Wood.
Bisher habe ich die Vaterschaft jeweils vorgeburtlich geregelt. Das kostet einen Lappen, nichts im Vergleich zum Aufwand von Hochzeitsfeierlichkeiten. Neu schlepppte ich die Kindsmutter eben doch einmal aufs Standesamt mit, weil man den Kesb-Termin nun ebenfalls vor der Geburt umgehen kann, um vorgeburtlich das Sorgerechts unseres bald erwarteten Familienzuwachses zu regeln. Die Zivilstandsbeamtin drückte uns ein neues Formular in die Hand. Das Formular sieht drei Varianten vor, wie ein Kind zu betreuen ist, da der Staat schliesslich weiss, dass man ein Kleinkind nicht allein lassen kann. A. Die Mutter sorgt sich um das Kind. B. der Vater bleibt daheim - oder C. Mutter und Vater teilen sich die Erziehungszeit hälftig, zu gleichen Teilen.
Obwohl wir de facto ein sehr bürgerliches Familienbild leben: Eine Ehe, wie jede andere, ausser eben, dass es eine wilde ist. Immerhin. So soll es auch bleiben. Wo käme man den hin, das letzte Wilde zu opfern letzten Konvention zu beugen.
Aber wegen einer AHV-Rente heiraten? Das ist dann doch sehr unromantisch. Natürlich wäre ich im Elend, falls es denn jemandem etwas geben würde. 
Mittlerweile verfügen die Mutter meiner Kinder und ich um ein paar Jahre Erfahrung. Den Grundsatz, uns Erwerbsarbeit und Familienzeit fifty fifty zu teilen, möchten wir auch in Zukunft beibehalten, trotz neuer Rechtslage. Und obwohl wir mittlerweile wissen, dass sich die Elternschaft nicht mit Planwirtschaft regeln lässt. Zur Bewältigung aller Aufgaben ist jede Hilfe recht: Grosseltern, Kinderkrippe, Götti, Gotti, von den zusätzlichen Herausforderungen der  Schulzeit wollen wir für den Moment gar nicht reden.
Es dämmert uns langsam, dass die Pflichten nicht so rasch aufhören. Dass Kinder auch ein Kostenpunkt sind, haben wir mittlerweile auch realisiert. Das Familienbudget wächst von Jahr zu Jahr, immer hart an der Existenzgrenze und kreativ kalkuliert. Darum geht es um so genannte „Erziehungsgutschriften“, eine Art neuer Elternbonus von Vater Staat, wie wir im Zuge der Rechtsbelehrung erfahren haben. Logisch, dass wir uns auch diesen Bonus, sofern der dann irgendwann eintreffen sollte, teilen. Und auch die Gebühr für den Zivilstandszettel teilten wir uns. Wobei ich zuhause fürs Einordnen und Aufbewahren von Papieren zuständig bin. Theoretisch und auch in der Praxis.

Samstag, 4. Mai 2019

Praktische Landesverteidigung

Unser Autor ist ein politischer Extremist, weil radikale Ideen einfach sexy sind. Im Familienleben ist er bürgerlich.

Ich habe mit dem Vaterschaftsurlaub meine Mühe. Obwohl ich die Idee voll ok finde. Absolut in Ordnung, sehr hübsch sogar: In einer perfekten Welt sollten Eltern alle Zeit der Welt haben, um nur mit ihren Kindern zu sein. Elternschaft ist eh die beste Lebensschule, seit Jahrtausenden, aber ich schweife wieder ins Utopische ab. Radikaler Fortschritt hat es nicht leicht in der Schweizer Demokratie. Vielleicht ist das auch ganz gut, diese Diktatur der Mehrheit, wo sich kaum je was ändert. Uns geht es gut. Wir sind reich, leben im Überfluss. Die Menschenrechte sind gewährleistet.
Die Meinungsfreiheit gehört da ja auch dazu. Deshalb kann ich hier auch gratis verkünden, dass ich für 6 Wochen bezahlte Ferien war, für eine Einheitskrankenkasse und ja, ich bin auch für das bedingungslose Grundeinkommen. Aber sicher! Wenn es unserem Land an etwas fehlt, dann an Inspiration. Zukunftsideen, mei, was könnte man da alles ändern. Was ein ganzes Land will, ist auch zu finanzieren. Eine Verteilungsfrage
Bevor ich weiter träume, holen mich jeweils die Wahlresultate wieder auf den Boden der Realität. Ich bin mir Niederlagen gewohnt. Im Detail ist die Politik nicht lustig. Aber dafür wähle ich meine Volksvertreter, damit sie ihre Stimme im Parlament einbringen und fähige Personen in die Landesregierung wählen. 
Abgesehen davon, dass ich keine Lust habe, mich politisch zu exponieren. Und mir die Zeit dafür fehlt, finde ich die Polarisierung ganz in Ordnung. Ich halte mich bei Meinungen deshalb immer ganz links aussen, dass ist am einfachsten. Da ist man am weitesten Weg von den Idioten am anderen Rand des politischen Spektrums. Leider liegt man da auch immer falsch, jänu. Les extrèmes se touchent. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Und bin auch sonst in unserer Demokratie oft in der Minderheit. Sogar als jemand, der sich an Wahlen und Abstimmungen beteiligt. Die stille Mehrheit gewinnt. Aber Resignation ist keine Option.
 Ich bin gegen den Vaterschaftsurlaub. Elternzeit ist Privatsache. Derweil üben wir die Gleichberechtigung im Privaten. Ganz pragmatisch.   finde es voll ok, dass Man teilt sich ja so vieles und nur die Verantwortung kann man nicht halbieren. Die haben beide voll und ganz. Denn es braucht ja immer zwei, und sogar dann ist es ein Glück, wenn das Wunder des Lebens daraus entsteht. Und dann muss man es nur noch auf die Reihe kriegen.
Die klassische Rollenverteilung scheint auf den ersten Blick verführerisch: Er arbeitet und bringt das Geld heim, sie guckt zu Hause nach dem Rechten. Die Frau am Herd und der Ernährer sind allerdings ewiggestrige Familienmodelle, die nicht ohne Grund erodieren. Ich bin deshalb froh, dass meine Partnerin auch gern arbeitet.



Sonntag, 28. April 2019

Ich möchte lieber ein Mündel sein


Unser Supervater findet es verblüffend, wie er oft erst als Vater vieles erlickt. Aha-Erlebnisse: Alles wird kopiert.
Man hätte es sich ja schon vorher überlegen können. Oder weglaufen. Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. Es hat eine Weile gedauert, bis ich es gecheckt habe. Aber wie die meisten Sprichwörter ist halt auc„Vorbild und Führungsaufgabe Vatersein – schwierig, schwierig, jeden Tag, livelong learning from the roots – just a test...“
h dieses leider sehr wahr. Das Abenteuer Elternsein hat mich schleichend eingeholt, vom Überschuss an Lebenslust ist zwar noch ein kleiner Rest da, aber es fehlt die Zeit, um sie einzulösen. Denn das eigene Glück steht nicht mehr im Zentrum. Am meisten stresst mich, dass jetzt alles so effizient sein muss.
Ich habe mich nun auf die Dekade im Zeichen des Bienenfleisses eingestellt. Willkommen in der Verantwortung, die man nirgends bestellen würde, wenn es die Kinder im Katalog gäbe. Aber sie wird einfach mitgeliefert, beziehungsweise mehrfach, gopf! Plötzlich ist man Vorbild, kann sich keinen Mist mehr erlauben. Und nicht einmal mehr ungeniert herzhaft fluchen. Alles wird sofort abgeschaut und kopiert. Immerhin gesünder ist das Leben geworden: Für Rauchpausen fehlt die Zeit.  
Der Zusatzaufwand für die unmündigen Haushaltsmitglieder wäre ja noch zu leisten, man kann sich das aufteilen, wo man praktischerweise schon zu zweit verantworltich ist für das Chaos: Waschen, Aufräumen, Verpflegen, ok, sie können es ja noch nicht. Das gehört dazu.
Aber wo es aufhört, lustig zu sein, ist diese geballte Unvernunft, die im täglichen Umgang immer wieder hochkommt. Es sind Punks, man kann es nicht anders sagen. Diese diabolische Lust am Provozieren, woher haben die das nur? Nun will er sich nicht anziehen. Einfach so. Kategorisch. Und wieso soll ich nun ruhig Blut bewahren, liebevoll Verständnis äussern, taktisch klug Alternativen vorschlagen, wenn ich doch viel lieber die Herausforderung annehme, mit dem zweijährigen Trotzkopf lustvoll zu streiten. Auf Augenhöhe, versteht sich, wie ich es schon mit seinen älteren Schwestern immer noch tue. Sollen die mal vernünftig werden. Ach, leider sind sie es noch weniger als ich.
Unterdessen steht für mich fest, dass ich den Elterntest nie bestanden hätte, wenn es einen gäbe. Bei Geduld und Sanftmut wäre mir bei der Prüfung der Faden mehrfach gerissen und in der Königsdisziplin „Denken für andere“ hätte ich versagt, weil ich vor lauter Hirnen mich selbst vergessen hätte. Wie simpel und lustig war mein Leben, als ich noch allein war! Im Militär habe ich den Tagesbefehl verachtet und demonstrativ nie eines Blickes gewürdigt. Nun finde ich mich jeden Morgen vor dem Familienkalender und checke die diversen Aktivitäten der Kleinen. So eine Liste hilft beim Führen von potenziellen subversiven kleinen Kämpfern. Und wenn wir schon beim Militär sind (Dienstpflicht erfüllt!) Noch so ein Ärgernis, das man sich mit der Familie einhandelt: Plötzlich hat man den Führungsjob, den man nie anstrebte. Leider ist er schlecht bezahlt. Aber man soll ja immer auf einer positiven Note aufhören. Und es wird ja zum Glück immer besser: Seit neustem deckt sich unser Frühstückstisch vollautomatisch, und wenn alle fertig sind, wandert alles wieder zurück an den Ort. Cool, oder? Soll noch jemand sagen, die Gesellschaft mache keine Fortschritte. Und das machen natürlich auch die Kinder – von alleine.

Samstag, 27. April 2019

Wer ist stärker, ich oder du?


Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet, meint der Volksmund. Das ist eine kurzsichtige Erziehungsmethode.
Leider kann ich hier nicht verkünden, dass mir die Hand noch nie ausgerutscht ist. Doch ich schäme mich dafür, auch dass es ab und zu vorkommt, die offene Provokation des Kindes. Besonders mit Zweijährigen bin ich schwer überfordert, ich gebe es zu. Sie haben eine Art zu argumentieren, die mich auf die Palme bringt. Instant, radikal unvernünftig! Und die Lösung ist so verführerisch, die körperliche Überlegenheit so krass, zudem kann man ja nicht ewig warten, man ist in der Pflicht, den Tarif durchzugeben: Also bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.
Heute Morgen war es mal wieder so weit, mea culpa. Eine unbeherrschte Grenzüberschreitung meinerseits. Nein, ich habe mein Kind nicht geschlagen. Ich habe den trötzelnden Buben nur unter den Arm geklemmt und gegen seinen Willen auf dem Velositz befestigt, um ihn, wie es das Montagritual vorsieht, auf dem Weg  ins Büro in die Kita zu fahren. Nur wollte der Kleine heute Morgen einfach nicht. Er hatte keine Lust und machte seinen Standpunkt schnell klar. Es ist ja nicht so, dass er seinen Willen nicht klar argumentieren könnte, nein, im Gegenteil: Für einen gut zweijährigen äusserte er  sogar recht vernünftig den Wunsch, Ich will da bleiben und spielen. Dann, als dieser Vorschlag auf ein müdes Lächeln unserseits stiess, wollte er stattdessen mit Mama zur Arbeit zu fahren.
Schliesslich hatte er das ganze lange Wochenende ganz allein mit ihr verbracht, ein Traumwochenende für so einen kleinen Mamihöck. Und ich nehme es ihm überhaupt nicht übel, dass er mich kaum vermisst zu haben scheint. Ich sehe sogar grosszügig darüber hinweg, dass er mich grundlos kritisiert, nur aufgrund meiner Anwesenheit beim Frühstück, die ihn offenbar in seiner mütterlichen Idyllie stört. Nun müssen wir aber los, anziehen geht noch, trotz Zeitdruck, leider ist die Mama auch noch da, sie ist aber mit den grösseren zwei beschäftigt.
Theoretisch ist ja das eine liebreizende Idee, dass man mal mit der Mama zur Arbeit fahren möchte. Das wäre bestimmt interessant und liesse sich vielleicht einmal einrichten – aber ein andermal. Jetzt müssen wir los. Wim besteht auf seinem Standpunkt, unverrückbar.
Hier treffe ich in meiner elterlichen Entscheidungsgewalt eine Entscheidung: Grenzüberschreitung: Ich packe ihn, schleppe ihn auf das Velo und fessle ihn relativ unsanft, den Schnudderi, auf das Sitzli vom Velo. Immer beherrscht, aber bestimmt, ihm gut zuredend, die Wonnen eines Kitatages ausschmückend.
Dialog ist immer besser, Vernunft ist gut. Trotzdem: Das Geschrei hört selten auf, wenn man ein Kleinkind unter den Arm klemmt und mit ihm fortmarschiert. Es geht erfahrungsgemäss erst richtig los. Und ich würde schon sagen, dass man, wenn man nicht den riskiert, den Willen zu brechen doch, riskiert, dass das Kind einen Knacks kriegt. Und die Regeln der Sozialisation bestimmen, dass genau das weiter geht, von Generation auf die nächste. Und wenn man pech hat wird es zum Bumerang, weil der kleine ja irgendwann stärker sein wird. Man kann nur hoffen und warten und warten und hoffen, dass er bis dann auch einigermassen zur Vernunft gekommen ist.


Mittwoch, 27. März 2019

Die Frau hat zuhause die Hosen an

Luxusproblem: Linksautonome haben wenigstens noch Komunen, wo sie Unterschlupf finden, wenn es nicht mehr geht.

Gestern durfte ich das Baby hüten. Unsere kleinste ist nun schon 4 Monate alt, aber auf meinen Armen war sie zuvor wohl erst ein paar Stunden. Ein typisches Mamatitti, was solls. Sie gab mir gestern deutlich zu verstehen, dass der Adlat nicht gut genug ist. 
Kinder fragen halt
Bevor sie sich ihr Kindergartentäschli umhängte und ging, fragte die Tochter neulich, ganz nebenbei, als letzte am Frühstückstisch, kurz bevor sie zum Kindergarten aufbrach, eine jener unschuldigen Fragen, die nur eine 5-jährige fragen, und die ein Spiegel sind für vieles: Natürlich machte sie klar, dass wir beide es hörten, was ja auch oft genug vorkommt, dass wir beide am Familienfrühstückstisch sitzen. «Wie wär’s wohl, wenn Mama einen Papa geheiratet hätte, der auch gern befielt?» 
Gelegenheit für ein Lächeln
Wir waren ihr dankbar für diese hübsche Frage. Es gab eine Gelegenheit zum Lächern. Eigentlich ist es ja suboptimal, wenn zwei Elternteile gleichzeitig da sind. Rein von der ökonomischen Arbeitsteilung her sind das überflüssig gebundene Ressourcen. Aber es ist halt auch wertvoll, vielleicht lebenserhaltend, wenn regelmässig alle Köpfe der Familie da sind, wenigstens zu zwei Mahlzeiten des Tages.
Ich bin nicht der Typ, der meine Partnerin zuhause herausfordert. Dann schon eher der vornheme Pascha, ein harmoniesüchtiger, ausrangiertes Modell eines verhinderten Patriarchen, Knecht des Matriarchats.
Der Zusatzaufwand für die unmündigen Haushaltsmitglieder wäre ja noch zu leisten. Man kann es sich aufteilen, wo man praktischerweise schon zu zweit verantwortlich ist: Waschen, Aufräumen, Verpflegen, ok, sie können es ja noch nicht. Ein bisschen Chaos ist die Würze im Leben. 
Nostalgie für Singles
Meine Göttin, meine Domina, meine Regisseurin, meine Königin. Vergöttere die Hausfrau.
der Königsdisziplin „Denken für andere“ hätte ich versagt, weil ich vor lauter Hirnen mich selbst vergessen hätte. Wie simpel und lustig war mein Leben, als ich noch allein war! Im Militär verachtete ich den Tagesbefehl und würdigte ihn demonstrativ nie eines Blickes. Nun finde ich mich am Morgen vor dem Familienkalender wieder und checke die diversen Aktivitäten der Kleinen. So eine Liste hilft beim Führen von kleinen Kämpfern. A propos Armee. Noch so ein Ärgernis, das man sich mit der Familie einhandelt: Plötzlich hat man den Führungsjob, den man nie anstrebte. Leider ist er schlecht bezahlt. Aber man soll ja immer auf einer positiven Note aufhören. Und es wird zum Glück alles immer besser: Seit neustem deckt sich unser Frühstückstisch vollautomatisch. Und wenn alle fertig sind, wird der Tisch gesäubert und die Küche retabliert: Alles wandert wieder zurück an den Ort, wo es gehört. Cool, oder?
Langsam, aber sicher, freunde ich mich mit der Rolle des Adlaten an. Aber einen Moment zu spät. Der Knecht ist zufrieden, solange er vorwurfsfrei alles in seinem eigenen Tempo durchziehen könnte. Ewig. Und das ist nun wirklich zu lang.

Montag, 25. März 2019

Der ewige Test

Alvagni ist neudeutsch für Alvaneu. Der Ort ist weniger für sein Fürstentum bekannt als für die innovative Hotelerie.

Dienst nach Vorschrift genügt nicht. Es ergibt auch keinen Sinn, Spaghetti Carbonara zu kochen, wenn man weiss, dass eines von drei Kindern dieses Gericht nicht mag. Dann muss man halt etwas neues suchen.   
Mütter bevorzugt - und jetzt?
Lotte findet Mama besser als mich. Naja. Das kann ich nicht ernst nehmen. Es ist im Grunde erstaunlich, dass immer noch jede zweite Ehe hält. Die Unverbindlichkeit, das Wagnis, dass man eben nie im Voraus weiss, was kommt, das ist der Reiz. Ja, Kinder haben ist die Challenge meines Lebens. Und ich gebe zu, es bringt mich fast täglich an den Rand der Überforderung. Nun gut, vielleicht übertreibe ich wieder. Aber meine Partnerin übertreibt es auch gerne, deswegen haben wir vor Jahren ja auch zusammen gefunden. Ja, man kann scheitern. Und früher oder später verlieren alle. Aber die
Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. Es hat eine Weile gedauert, bis ich es gecheckt habe. Aber wie die meisten Sprichwörter ist halt auch dieses leider sehr wahr. Das Abenteuer Elternsein hat mich schleichend eingeholt, vom Überschuss an Lebenslust ist zwar noch ein kleiner Rest da, aber es fehlt die Zeit, um sie einzulösen. Denn das eigene Glück steht nicht mehr im Zentrum. Am meisten stresst mich, dass jetzt alles so effizient sein muss. 
Die Dekade des Bienenfleisses endet abrupt
Ich habe mich nun auf die Dekade im Zeichen des Bienenfleisses eingestellt. Willkommen in der Verantwortung, die man nirgends bestellen würde, wenn es die Kinder im Katalog gäbe. Aber sie wird einfach mitgeliefert, beziehungsweise mehrfach, gopf! Plötzlich ist man Vorbild, kann sich keinen Mist mehr erlauben. Und nicht einmal mehr ungeniert herzhaft fluchen. Alles wird sofort abgeschaut und kopiert. Immerhin gesünder ist das Leben geworden: Für Rauchpausen fehlt die Zeit.  
Der Zusatzaufwand für die unmündigen Haushaltsmitglieder wäre ja noch zu leisten, man kann sich das aufteilen, wo man praktischerweise schon zu zweit verantworltich ist für das Chaos: Waschen, Aufräumen, Verpflegen, ok, sie können es ja noch nicht. Das gehört dazu.
Aber wo es aufhört, lustig zu sein, ist diese geballte Unvernunft, die im täglichen Umgang immer wieder hochkommt. Es sind Punks, man kann es nicht anders sagen. Diese diabolische Lust am Provozieren, woher haben die das nur? Nun will er sich nicht anziehen. Einfach so. Kategorisch. Und wieso soll ich nun ruhig Blut bewahren, liebevoll Verständnis äussern, taktisch klug Alternativen vorschlagen, wenn ich doch viel lieber die Herausforderung annehme, mit dem zweijährigen Trotzkopf lustvoll zu streiten. Auf Augenhöhe, versteht sich, wie ich es schon mit seinen älteren Schwestern immer noch tue. Sollen die mal vernünftig werden. Ach, leider sind sie es noch weniger als ich. 
Elterntest und Dienstpflicht
Unterdessen steht für mich fest, dass ich den Elterntest nie bestanden hätte, wenn es einen gäbe. Bei Geduld und Sanftmut wäre mir bei der Prüfung der Faden mehrfach gerissen und in der Königsdisziplin „Denken für andere“ hätte ich versagt, weil ich vor lauter Hirnen mich selbst vergessen hätte. Wie simpel und lustig war mein Leben, als ich noch allein war! Im Militär habe ich den Tagesbefehl verachtet und demonstrativ nie eines Blickes gewürdigt. Nun finde ich mich jeden Morgen vor dem Familienkalender und checke die diversen Aktivitäten der Kleinen. So eine Liste hilft beim Führen von potenziellen subversiven kleinen Kämpfern. Und wenn wir schon beim Militär sind (Dienstpflicht erfüllt!) Noch so ein Ärgernis, das man sich mit der Familie einhandelt: Plötzlich hat man den Führungsjob, den man nie anstrebte. Leider ist er schlecht bezahlt. Aber man soll ja immer auf einer positiven Note aufhören. Und es wird ja zum Glück immer besser: Seit neustem deckt sich unser Frühstückstisch vollautomatisch, und wenn alle fertig sind, wandert alles wieder zurück an den Ort. Cool, oder? Soll noch jemand sagen, die Gesellschaft mache keine Fortschritte. Und das machen natürlich auch die Kinder – von alleine.

Samstag, 16. März 2019

Ein Heli im Kino

Die Wolken am Himmel sind sehenswert: „Um einem Dreijährigen Paroli zu bieten, muss man früh aufstehen“
Einblender im Fernsehen, vor allem bei Kinofilmen, sind ein Skandal, ohne Respekt für den Zuschauer mit Niveau. Das ist aber nur vorgelagert. Denn nun kommt ein Weckruf.
Aufstehen!
Unser Wecker tut seit mehr als 3 Jahren seinen Dienst. Treu und zuverlässig weckt er uns, ohne Batterien, meist mit dem Sonnenaufgang. Wir würden ihn nie mehr hergeben, geschweige denn tauschen. Schliesslich heisst er Wim und ist unser Sohn.

Meistens ist es etwa halb Sieben. Geht ja. Egal ob draussen schon die Sonne scheint oder Nebelschwaden hangen, ob Winter ist oder Hochsommer. Die genaue Weckzeit ist sekundär. Genug geschlafen haben wir selten. Ausschlafen ist eh seit Jahren kein Thema mehr. Es ist ja nicht so, dass wir nicht mal länger schlafen würden. Plus minus fünf Minuten würde niemandem etwas ausmachen.

Gegenüber einem elektronischen Gerät hat ein Kleinkind viele Vorteile. Einmal abgesehen vom fehlenden Schlummermodus. So ein Tennisballgerät, dass man für eine Extraviertelstunde Schlaf an die Wand werfen kann, wäre sicher auch gäbig. Aber unser Wecker ist unwiderstehlich effektiv. Jeder Morgen ist trotz der Regelmässigkeit der Weckzeit überraschend. Wim hat sehr variantenreichen Wecktechniken: Ein Kick in die Seite, ein Morgenlied auf den Lippen, ein feuchter Kuss oder ein schlichtes, martialisches «Ufstoh!».
Das hat er wohl von seiner grossen Schwester übernommen, sozusagen eine Funktion des Vorgängermodells unseres Familienweckdienstes. Diese schläft mittlerweile ja schon selbstständig und hat eben die erste Woche im Lager ganz ausserhalb der eigenen Wänden verbracht. Wir haben sie vermisst. Als sie kaum stehen konnte und eben erst in ihrem eigenen Bettchen erwachte, stand sie immer als erste morgendliche Übung im Bett auf und verkündigte lauthals durch die Wohnung den ersten Erfolg des Tages: «Ufgstande!».

Früher war ich ja auch mal Frühaufsteher. Aber seit es die Kinder gibt, bin ich froh, dass ich nicht vor den Wecksignalen der Kinder aus den Federn muss. Journalistentage fangen zum Glück selten vor 9 Uhr an. Ehrlich gesagt weiss ich auch nicht, ob ich überhaupt früher aus den Federn zu kriegen wäre. Punktuell kommt es ja schon vor, dass einer der Ernährerenden früher aus dem Haus müssen, um einer Lohnarbeit ausserhalb des Quartiers nachzugehen. 
Vermischung und Schönfärberei

Ich tue das sehr selten und bleibe zum Frühstück lieber bei den Kindern. Zum Fertigmachen hat man ja noch den Abend, wenn die Kinder im Bett sind. Oder mal eine Stunde, wenn der Wecker Mittagsschlaf macht. Unser Wecker Wim kommt zu seinem Schlaf und er hat auch aber Jedenfalls ist unser Wim jetzt im Napoleon-Alter. Er hat leider gerade die empfindliche Erfahrung gemacht, dass er vom Trohn gestossen wurde. Den seinen gibts der Herr im Schlaf.

Mittwoch, 6. März 2019

Der Fürst bestellt eine kleine Apfelfamilie

Ein neues Gerät, ein neues Leben? Das war einmal. Als Vater wird man vom Hersteller dazu ermuntert, alles digital mit der Familie zu teilen.

Mein neues Handy gebe ich nicht aus der Hand. Nein, das ist mein Spielzeug, sage ich den Kindern immer. Und da bin ich sehr streng. Niemand rührt es an, der nicht vorher fragt. Erst neulich kaufte ich mir ein neues Telefon, nur für mich! Ich liebe diese raren Momente, allein mit einem Gerät. Da tauche ich komplett ab, um an Einstellungen tüfteln und den Automaten zu justieren. Seltene Wonneminuten im Familienleben! Kein Mensch soll mich bitte dabei stören.
Nun fragt mich also mein neues Tool sehr nett, ob ich nicht eine Familie einrichten möchte. Mmh, aber wieso denn nur? Das sei sehr gäbig, folgt die Antwort. Damit könne man Musik, Bücher und Fotos sofort teilen: Alles für alle, sofort, wie im Kommunismus! Darüber hinaus wüssten alle Mitglieder der Familie auch stets, wo der Papa gerade steckt. Klar, das gescheite Telefon sendet ja auch Signale.
Also gut, warum nicht? Schliesslich sind die zwei Oberhäupter unserer Familie beide Fans des gleichen Systems. Der Januskopf der Elternschaft ist sich nur in wenigen Fragen einig, aber für meine Liebste und mich kommt seit Jahren nur Apple in Frage. Bisher hatten wir auch wenige Gründe, der grossen Weltfirma mit dem gesunden Logo zu misstrauen. An Apple a day keeps the doctor away. Also los, auf in die Applefamily, irgendwann brauchen die Kids ja eh auch eine Emailadresse.
Leider gerät mein Versuch, einen Familien-Account einzurichten, ins Stocken. Durch eine philosophische Fangfrage meines neuen Geräts: „Bestätigen Sie bitte, dass Sie der Organisator dieser Familie sind.“ Meinst es jetzt grundsätzlich oder wieso? Grosszügig sehe ich über die dumme Frage hinweg. Jeder flüchtige bekannte Mensch weiss, dass sicher nicht ich der Organisator bin. Aber das Gerät ist ja neu. Und aha, beim nächsten Schritt check ichs erst. Das pragmatische Fon will nur die Kreditkartennummer wissen. Meinetwegen, wenn das so ist, ja, dann bin ich halt der Organisator. Aber sicher! Leider habe ich die Kreditkarte gerade nicht zur Hand und muss das Einrichten der Familie auf unbestimmte Zeit verschieben.
Ich dachte schon, dass wäre es jetzt gewesen. Aber Apple vergisst ja nichts, im Nu kommt das Bestätigung-Email. Ups, wenn die Familie einmal eingerichtet, gibt es kein Zurück mehr. Es ist vorbei, die Zeit mit mir und meinem persönlichen Spielzeug. „Campo, herzlich willkommen bei der Familienfreigabe“, heisst es im Betreff. Ein Klick, und ich kann im Menü jederzeit „meine Familie verwalten“.
Nein danke. Wir teilen die Musik ja eh schon. Aber wir haben das Leben halt lieber analog. Wenn bei uns daheim zwei bis drei Plattenspieler gleichzeitig laufen, gibt das interessante Geräuschkonstrukte. Und weil die Knirpse das Vinyl nicht selber auflegen können, hat man auch jederzeit die volle Kontrolle über die Inhalte. Wir sind da sehr konservativ. Auch bei den Büchern: Haptisch, handfest, Hauptsache analog. Bücher die riechen, Eselohren als Lesezeichen, Altpapier. Die kann man auch gut wieder vertschutten, wenn sie vorgelesen sind.
Nur die Agenda, ja, das wäre automatisiert schon gäbig. Aber der Kühlschrank hat ja auch eine Kalenderfunktion. Das funktioniert. Wer sich nicht einträgt, ist selber schuld. Und für den Austausch von den Terminen des Tages ist ja der Morgenrapport am Zmorgetisch. Meistens ist eh alles anders als geplant, aber das ist eine andere Geschichte. Die Funktion «Familie verwalten» finde ich auch noch hübsch. Vielleicht schalt ich das mal ein. Aber zuerst esse ich jetzt einen Apfel.