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Donnerstag, 28. März 2019

Was tun Sie eigentlich in den Ferien?

Das dicke Kind rechts aussen hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem amerikanischen Präsidenten. Das Kotzen passt dazu.
«Ich bin Lehrer und Vater von zwei Kindern (3 & 7). Nun wünsche ich mir nichts sehnlicher als eine Auszeit von aller Jugend. Kommen Sie mit mir weit weg in die Ferien?» Walter A. aus L.

Paulo Zedmic: Ich würde ja gerne, aber ich bin leider schon verplant. Da das Hallenbad und der ‹Nebelspalter› über den Sommer zu sind, profitiere ich von verlängerten Ferien. Ich habe eine Pokerreise nach Las Vegas gebucht, dann eine Fastenwanderwoche im Kanton Schwyz und ein theologisches Seminar in einem Schottenkloster.
Da will ich meine moralische Verfassung etwas stärken, man verbraucht ja so viele Nerven mit den Kindern. Ausser mit meinem jüngsten Spross, von dem schon lange nicht mehr die Rede war. Denn er ist mittlerweile ein gutes halbes Jahr alt und so pflegeleicht und ruhig, die ganze Zeit – ein einziger Bébé-Schatz! Davon träumt jeder Erzieher. Er liegt und lächelt tagein, tagaus.
Er bewegt sich nur minim, das hat er wohl vom Vater. Sonst ist er zufrieden, wenn er seinen Brei kriegt. Ich bin sehr gespannt, wie er auf die Diät beim Fastenwandern reagiert. Für mich kann sich der zusätzliche Ballast nur positiv auswirken. Den Kleinen nehme ich natürlich überall mit, auch nach Las Vegas und ins Schottenkloster. Ich habe mir extra aus dem Nebelspalter-Güsel-Sammelwagen einen Babyrucksack gebastelt. Die Gambler werden denken, ich hätte das Ding beim Spiel gewonnen. Die Theologenkollegen werden mich für Christopherus halten.
Katastrophe in Kalabrien
Alles hat seinen Preis. Solène (3) ist schwer eifersüchtig auf ihren kleinen Halbbruder. Sie kommt ja bald in den Kindergarten und war noch nie mit mir in den Ferien. So ist das Leben. Solène verbringt die Ferien wie alle anderen Zöglinge bei ihrer Mutter. Nur ein Mal bin ich ja mit allen meinen damals vier Kindern in die Ferien gefahren, nach Kalabrien – eine Katastrophe. Ich schwor damals zu Poseidon: Das mache ich nie mehr.
Es fing schon auf der Fahrt an, wo die Bälger mir in schöner Mikado-Reihenfolge das ausgeliehene Auto vom Nachbar verkotzt haben. Ich musste in Kalabrien einen Esel schlachten, um die Ledersitze neu zu beziehen.
Das war aber auch der einzige Spass in zwei Wochen Stressferien. Nach zwei Tagen band ich am Strand alle mit einem Seil zusammen, damit sie nicht ins Meer sprangen. Trotzdem verbrachte ich weitere Tage damit, plötzlich fehlende Zöglinge zu suchen. Sebastian stellte den einheimischen Mädchen nach und Louis versteckte sich zwei Tage lang grundlos und spurlos. Ich fand ihn dann kurz vor der Heimreise zufällig in der Gelateria, wo er gemütlich in der Eisablage gelegen hatte. Er war ja schon als Baby ein Phlegma. Seither gehe ich allein in die Sommerferien beziehungsweise nur mit dem unproblematischen Babybub am Rücken. Sorry, Walter.
Grande Finale
Ich freue mich riesig auf die Ferien, da ich sonst viel zu wenig Zeit für meine Hobbys habe. A propos: Ich wurde ja eben noch für eine DJ-Tour nach Malaysia eingeladen. Aus heiterem Himmel! Da gebe ich natürlich gern nochmal zwei Ferienwochen drauf und riskiere sogar, später als meine eintrudelnden Zöglinge zu Hause zu sein. Wenn man weit weggeht, kann man immer Flugstreiks geltend machen und ein paar Tage Verantwortungslosigkeit rausschinden. Was bleibt den Müttern anderes übrig, als das Kind eine zusätzliche Woche zu betreuen? Es ist ja schliesslich auch ihres.

Paulo Zedmic (42) hat auch ein Diplom als Ferientechniker. Seinen schönsten Urlaub verbrachte er auf Madagaskar, wo er sich als Portier im königlichen Harem verdingte.

Sonntag, 24. Februar 2019

Sind Grosseltern sichere «Gaumer»?

Der Pfeifenraucher ist gleichzeitig Opa und erziehungsberechtigt: Sein Lächeln scheint gequält, mit einer Note Stolz.
«Meine Töchter (2 und 4 ) sind herzige Engel. Zwei Tage pro Woche werden sie von meinen Eltern gehütet. Alle Beteiligten sind danach leider nervlich am Ende. Wie weiter?» Ida C. aus E.

Paulo Zedmic: Meine Antwort ist simpel: Selber machen macht feiss. Erziehung kann man nicht delegieren. Deswegen sollte man es auch nicht tun. Nimm deine Töchter selber an die kurze Leine, solange du ihnen körperlich noch überlegen bist.
Es ist vielleicht hart, der Versuchung zu widerstehen, wenn Grosseltern sich aufdrängen. Manche Rentner haben ja mitunter nichts anderes zu tun und haben jahrelang auf Enkelkinder gewartet, nur um wieder jemanden herumkommandieren zu dürfen, der sich auch nicht beschwert, wenn sie rauchen.
Meine eigene Mutter lebte zum Glück nie gleich nebenan, sie war mir überhaupt über weite Strecken sehr fern. Der Kontakt zu meinen vielen Schwiegereltern ist leider nicht weniger schwierig: Alle fünf haben diametral abweichende Erziehungsgrundsätze.
Geduld bringt Schonung
Tja, Deine Eltern sind aber selber schuld, wenn sie sich den ganzen Stress nochmal antun. Vielleicht haben sie beim ersten Mal etwas falsch gemacht. Andererseits sparen sie sich durch die körperliche Aktivität Fitnessabo und Altersturnen. Finanziell ist also vielleicht ein willkommener Zustupf zur AHV. Und es gibt auch für Aussenstehende kein schöneres Bild als ein kleiner Fratz, der einem hinkenden Rentner mit fuchtelndem Stock davonrennt.
Natürlich ist es hierzulande besonders weitverbreitet, Kinder in die Obhut von Grosseltern zu parkieren. Wenn ich es genau überlege, ist das eine der wenigen Gemeinsamkeiten aller Mütter meiner Kinder.
Sämtliche haben Erziehungspflichten so rasch wie möglich outgesourct. Ich sehe ja auch die Vorteile des Abgebens: Man schont die eigenen Nerven. Vielleicht ist es auch, je nach Temperament der Gaumenden, für die Kinder besser, wenn sie nach Strich und Faden verwöhnt werden, als wenn sie zu Hause ständig die harte Hand und die laute Stimme ihres Erziehers spüren.
Kindische Kapriolen
Aber die Nachteile sind ebenso krass. Als Achim mal von Inges Mutter gehütet wurde, tat er immer extra blöd. Zertrat absichtlich ihre Brille, mixte sich in der Küche Cocktails aus allerlei Lebensmitteln und fütterte sogar ihrem armen Hund extra eckige Nüsse, dass er fast verschied. Ich weiss nicht, was in ihn gefahren war. Denn Achim ist zu Hause der Unproblematischste von allen. Man muss ihn von Natur aus zu nichts antreiben und nie bremsen: Ein Sack Chips auf den Tisch, eine Playstation ON, und er ist zufrieden.
Ich glaube, es gibt ein Muster: Grosseltern holen gern das Schlechteste aus Kindern heraus. Veros Papa hat den Louis auch nur ein einziges Mal zu sich genommen. Kaum war der kleine Dachs abgegeben, konnte Louis nicht mehr laufen. Grosspapa schwang ihn zuerst voller Enthusiasmus auf den Rücken – und holte sich prompt einen Hexenschuss. Nachher wollte er ihn dann nie mehr hüten.
On the job training
Mein Rat lautet: Nehmen Sie Kinder wenn immer möglich zur Arbeit mit! Gibt es einen Job, wo das nicht geht? Gerade Kleinkinder sind unauffällig, man kann sie gut in einem Rucksack oder einem Reiserollkoffer verstecken.
Auf engem Raum lernen sie auch gleich, stillzusitzen. Im Vorschulalter lernen sie ja überhaupt so viel! Alle meine Sprösslinge lernten wie von selbst Ordnung halten und schwimmen, weil ich sie Tag und Nacht an alle meine Arbeitsstellen mitschmuggelte. Natürlich nur so lange, bis sie auf eigenen Füssen stehen. Aber mit meiner Methode ist das zwischen 3 und 4 Jahren der Fall.

Paulo Zedmic (43) hat sechs Kinder von sechs verschiedenen Müttern in seiner Obhut. Um die Münder zu stopfen, arbeitet er u. a. im Hallenbad und pokert nachts.

Freitag, 8. Februar 2019

Muss ich der Kleinen immer folgen?

Ihnen wachsen die Tischsitten Ihres Nachwuchses über den Kopf? Herr Zedmic weiss Rat und Tat mit Spinne und Krone.
Zuschrift: Meine Tochter Lisa akzeptiert meine Autorität einfach nie. Ich kann befehlen und drohen und schlagen, wie ich will. Sie kommt mir frech und macht, was sie will. Wie weiter? Rolf B. aus Z.

Paulo Zedmic: Immer ruhig, Kollege! Beim ersten Mal ist mir diese Falle auch passiert.
Deshalb ist mein ältester Sebastian etwas schiefgeraten. Seine Mutter Yvonne hatte aber auch null Autorität. Also musste ich es richten. Ich machte es auf die harte Tour – die Diktatur, verstehst du? Aber, ich sage dir, damals habe ich gelernt: Die Brechstange ist kein gutes Werkzeug für die Erziehung. Man kann damit einen Spind öffnen, ok. Oder ein Loch graben im Rasen. Für Pfähle oder für einen Zaun oder für einen Baum zu pflanzen, egal was, das geht. Dafür ist die Brechstange da. Aber zum Züchtigen nützt sie nicht. Eisen ist viel zu hart, ich schwöre es!
Ich rate dir also, Kollege, hör auf mit Schlagen und Toben. Es bringt nichts. Die Jungen machen eh, was sie wollen. Du sagst es ja.
Dreh wie am Grillspiess
Also was ist besser? Ich habe viel nachgedacht. Mein Freund Basil ist Philosoph. Er hat mich auf die Lösung gebracht: Wenn die Brechstange nichts nützt, muss man sie umdrehen!
So bin ich mit jedem meiner Kinder lockerer geworden. Sie wollen nicht, was du willst? Lass sie laufen! Bei meinem jüngsten Engelchen Feliz befehle ich gar nichts mehr. Ich folge ihr! Das rate ich dir, mein Freund, tu einfach das, was die Tochter sagt. Du musst nur anders denken. Wer ist König? Das Kind ist der König! Basil hat schon recht: Regieren ist eine schwere Bürde. Das Sprichwort aber «Wer zu alt, befiehlt», das ist falsch. Es stimmt überhaupt nicht! Lass deine Tochter befehlen. Wenn sie alles selber machen muss, bist du erleichtert. Wie wenn du ein Eisenrohr fallen lässt. (Aber nicht auf deine Füsse!)
Klar, manchmal musst du drohen. Am besten dafür sind leere Drohungen. Ein kleiner Tipp, mein Freund: Man muss die Strafe nie sagen! Sie wollen ja nur, dass man tobt. Wenn mir jemand an eine weisse Wand kritzelt, stehe ich nur hin und rassle mit dem Schlüsselbund. Dazu schaue ich grimmig.
Ich sage aber nichts. Extra! So malen sich die Bengel selber aus, was geschehen wird, wenn ich sie nochmal erwische. Zum Beispiel: Ich verfüttere ihnen den Schlüsselbund. Oder ich hänge mir einen Teufelsbraten an den Gürtel statt der Schlüssel. Oder noch etwas Schlimmeres!
Strafe mit Fantasie
Ich weiss noch etwas, das ist viel besser: Du lässt dir drohen. Dann kannst du frech zurückgeben.
Mein Louis ist 9 Jahre alt. Er droht mir ständig: Wenn du mir kein Glacé gibst, laufe ich weg. Wenn ich ins Bett muss, schreie ich laut für immer. Ich sage dann: Gut, schrei du und spring herum. Ich gehe unterdessen ins Casino oder lese draussen in der Bibel. Da steht es übrigens auch schon drin, beim Spruch Nummer 15 und 32: «Wer sich nicht ziehen lässt, der machet sich selbst zunichte.» Also musst du dich erziehen lassen, sonst gehst du daran kaputt! Ich suche jetzt selber auch einen Kindergarten ohne Autorität für Feliz. Aber so wie es ausschaut, gibt es das gar nicht mehr, nirgends. Oder kennst du noch einen? Eben.
Nerven wieder geflickt
Gehorchen kommt von horchen. Deshalb musst du die Ohren immer fest spitzhalten. Was will deine Tochter? Ja will sie denn überhaupt etwas? Viele Kinder wollen ja in Wirklichkeit gar nichts. Dann kannst du dir alle beide Beine ausreissen, es hilft so viel wie ein Mann, der ein Haus stemmt: Nada!
Besser, du lässt die Tochter in Ruhe, dann hast du Frieden. Und deine Nerven heilen rasch. Wie ein abgestecktes Rasenfeld, frisch angesät. Nach vier Wochen ist es wieder schön grün.

Paulo Zedmic (42) hat als Bademeister in sieben verschiedenen Gewässern gearbeitet (sowohl in süssen wie in salzigen).

Freitag, 14. Juli 2017

Soll ich meinem Kind was schenken?

Soziale Stärke zeigt der moderne Mann vorab bei der Pflege seines Schnurrbartes.
Mir wurde nie etwas geschenkt, ich habe mir alles selbst erarbeitet. Nun stresst mich das Weihnachtsfest: Bin ich zu Geschenken für meine Kinder verpflichtet? Sylvie C. aus K.

Paulo Zedmic: Ja, liebe Sylvie. Schenken ist das grösste Geschenk für Eltern: Du kannst dein Kind wirklich glücklich machen. Wann gelingt das sonst? Sogar mein Teufelsbraten Louis kriegt zur Weihnacht immer ein Geschenk.
Obwohl er keins verdient hätte, nie im Leben. Aber er hat so gern Tiere. Und ich habe im Keller Überfluss an Ratten. Ich fange eine ein, male sie hübsch an und verpacke sie schön. Fertig ist ein Kinderglück. Für meinen Sonnenschein Feliz könnte ich viel mehr Geld ausgeben. Sie wünscht sich seit Jahren ein Pony. Aber ich bin nicht blöd. So ein Tier frisst nur und stinkt. Und was ein Pony kann, kann ich schon lange. Deshalb darf sie auf mir reiten. Ich bin das Pony, verstehst
du? Ich bin das glücklichste Geschenk, das es gibt.
Schenken tut nicht weh
Warum magst du überhaupt keine Geschenke machen? Du darfst nicht denken, so wie
du denkst! Basil, der Philosoph, hats mir erklärt: Beim Schenken ist alles umgekehrt wie
sonst immer. Du zahlst nichts. Du gibst nicht zurück, was du gekriegt hast. Sondern du
musst zuerst schenken. Aber nichts dafür erwarten, das ist der Witz! Dann bekommst
du vielleicht auch einmal ein Geschenk.
Aber nur, wenn du keins willst, sagt Basil. Das ist schwierig, ich weiss. schwierig zum
Verstehen und zum Denken. Aber du solltest es ausprobieren. Dann wird dein Leben sicher weniger schlimm.
Überraschung für alle
Oder weisst du nicht, was schenken? Im Karl Josef Wagner-Katalog hat es ganz viele Ideen. Ich mach das immer so: Ich nehme die Bestellkarte heraus und lege sie auf die Seite. Dann werfe ich den Katalog so lange an die Wand, bis ein paar Seiten herausflattern.
Wenn zu lange nichts kaputt reisst, kannst du den Katalog auf den Tisch hauen, bis die Zettel flattern.
Schmerzfrei bestellen 
Dann nimmst du so viele Fötzel vom kaputten Katalog, wie du Geschenke brauchst. Mindestens eins pro Kind. Wie viele Kinder hast du überhaupt, Sylvie? Sagst du es nicht oder weisst du es nicht genau? Man kann schon die Übersicht verlieren, gell. Guck jetzt nur auf die Bestellnummer, nicht auf das Bild, nicht auf den Preis. Dann schreibst du die Nummer blind auf die Bestellkarte.
Gut. Du hast keine Schmerzen, oder? Und das Beste am Trick ist: Du wirst selber eine Überraschung erleben, weil du ja gar nicht weisst, was du bestellt hast. Kommt ein Plüschelefant, ein ferngesteuerter Heli oder eine Puppe im Tarnanzug? Freue dich!
Der Trick der Danäer
Hast du etwa Stress, weil du arbeiten musst über die Festtage? Mein Chef beim Hallenbad Blumenwies hat uns immer freigegeben. Das war das schönste Geschenk! Einmal war ich aber auf dem Dienstplan. Da habe ich dem Chef eine Reise geschenkt, ganz weit weg, last minute, Abflug am 23. Dezember. Das tat meinem Portemonnaie weh, aber dafür war er dann nicht da, wo ich auch nicht da war. Capito?
Lieb und teuer
Und meine Linda, die wollte immer ein Handy. Da hab ich ihr gesagt: Gut! Ich hole ihr so ein Gratis-Handy beim Shop. Das kostet nichts, ich mache Linda eine Freude. Und sie muss dann gucken, wie sie die Rechnung bezahlt. Das ist nicht mein Problem, ausser wenn sie mir das Geld aus dem Portemonnaie klaut. Aber das ist eine andere Geschichte. Am Fest der Liebe ist alles gut. Also auch jedes Geschenk. Ich wünsche dir, liebe Sylvie, ein frohes Fest!

* Paulo Zedmic ist Teilzeit-Abwart und Hausmann. Er ist Vater von fünf Kindern mit fünf verschiedenen Müttern.