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Dienstag, 6. Juli 2021

Was erstaunt dich?

Man muss auch die guten Dinge sich in Erinnerung rufen: Dieses Kindergartenbild ist lange her, mindestens drei Jahre.
Wim ruft an und fragt, er brauche Hilfe bei den Hausaufgaben: «Was erstaunt dich? Worüber staunst du?». Ich staune, megametamässig, darüber, dass ich ein solches Telefonat erhalte, das mich sehr aufstellt. Und ich staune auch ab Heerengäggeln und glitzernden Milchbrenten und dass ab heute Maskenpflicht herrscht.

Montag, 11. Mai 2020

Die Meinung während der Mediation

Einigen ist es gegeben, in der ersten Reihe zu strahlen, etwa dem Stickereikönig Pepe. Andere fühlen sich hinten wohler.
Die Regeln in diesem Blog wollen es so, dass Beiträge mit einer künstlichen Verzögerung publiziert werden. Manchmal sind das ein paar Tage, manchmal einige Wochen, mitunter ein ganzes Jahr. Das ist gewollt so, denn dadurch wird die Unmittelbarkeit des Mediums künstlerisch verfremdet. Heute etwa war der erste Tag des letzten Jahres in der Kita der kleinen Dreijährigen. Sie hat nicht etwas gekündigt, sondern wird im Sommer in den Kindergarten wechseln. Die Mutter möchte dies verhindern, weil sie um das Freispiel des Kindes fürchtet. Der Vater kann darob nur den Kopf schütteln und schweift mit den Gedanken ab in die Phase der Mediation, die bekanntlich zwischen Helvetischer Republik und Restauration liegt.

Freitag, 5. Juli 2019

Eifach kompliziert

Coole Verpackung, gerade auch in der Hitze des Sommers 2019: Ikea Spreitenbach tauscht um.
Vor einer Woche fuhr Hans mit dem Velo in die Ikea, um eine Magnetleiste zu kaufen. Er kaufte, vom Shoppingrausch gepackt, noch zwei, drei andere Dinge, und als er in die Nähe der Magnetleisten kam, war er so aufgeregt, dass er vier verschiedene Leute fragte, wo sie denn sei und wie das Produkt heisse. Denn in der Ikea tragen ja alle Produkte Namen. Ihm wurde der Weg gewiesen und eine Leiste ausgehändigt. Zuhause merkte er dann aber, dass es keine magenetische gewesen war. Deshalb!

Donnerstag, 11. April 2019

Gastronomie als Mutprobe


Die Genfer Uhrmacherei hat mit diesem Spektakel herzlich wenig zu tun. Wahrscheinlich handelt es sich eher um Fussball.
Kulinarische Tipps sind sonst nicht so meine Sache, aber soeben bin ich auf ein Unternehmen aus der Nachbarschaft gestossen, dass ich ungesehen empfehlen würde. Weil es sieht gut aus: Luma Beef. Ob ich das probieren wollen würde? Oder als Geschenk ein Stück einem Nachbarn zum 40. offerieren?

Freitag, 8. Februar 2019

Muss ich der Kleinen immer folgen?

Ihnen wachsen die Tischsitten Ihres Nachwuchses über den Kopf? Herr Zedmic weiss Rat und Tat mit Spinne und Krone.
Zuschrift: Meine Tochter Lisa akzeptiert meine Autorität einfach nie. Ich kann befehlen und drohen und schlagen, wie ich will. Sie kommt mir frech und macht, was sie will. Wie weiter? Rolf B. aus Z.

Paulo Zedmic: Immer ruhig, Kollege! Beim ersten Mal ist mir diese Falle auch passiert.
Deshalb ist mein ältester Sebastian etwas schiefgeraten. Seine Mutter Yvonne hatte aber auch null Autorität. Also musste ich es richten. Ich machte es auf die harte Tour – die Diktatur, verstehst du? Aber, ich sage dir, damals habe ich gelernt: Die Brechstange ist kein gutes Werkzeug für die Erziehung. Man kann damit einen Spind öffnen, ok. Oder ein Loch graben im Rasen. Für Pfähle oder für einen Zaun oder für einen Baum zu pflanzen, egal was, das geht. Dafür ist die Brechstange da. Aber zum Züchtigen nützt sie nicht. Eisen ist viel zu hart, ich schwöre es!
Ich rate dir also, Kollege, hör auf mit Schlagen und Toben. Es bringt nichts. Die Jungen machen eh, was sie wollen. Du sagst es ja.
Dreh wie am Grillspiess
Also was ist besser? Ich habe viel nachgedacht. Mein Freund Basil ist Philosoph. Er hat mich auf die Lösung gebracht: Wenn die Brechstange nichts nützt, muss man sie umdrehen!
So bin ich mit jedem meiner Kinder lockerer geworden. Sie wollen nicht, was du willst? Lass sie laufen! Bei meinem jüngsten Engelchen Feliz befehle ich gar nichts mehr. Ich folge ihr! Das rate ich dir, mein Freund, tu einfach das, was die Tochter sagt. Du musst nur anders denken. Wer ist König? Das Kind ist der König! Basil hat schon recht: Regieren ist eine schwere Bürde. Das Sprichwort aber «Wer zu alt, befiehlt», das ist falsch. Es stimmt überhaupt nicht! Lass deine Tochter befehlen. Wenn sie alles selber machen muss, bist du erleichtert. Wie wenn du ein Eisenrohr fallen lässt. (Aber nicht auf deine Füsse!)
Klar, manchmal musst du drohen. Am besten dafür sind leere Drohungen. Ein kleiner Tipp, mein Freund: Man muss die Strafe nie sagen! Sie wollen ja nur, dass man tobt. Wenn mir jemand an eine weisse Wand kritzelt, stehe ich nur hin und rassle mit dem Schlüsselbund. Dazu schaue ich grimmig.
Ich sage aber nichts. Extra! So malen sich die Bengel selber aus, was geschehen wird, wenn ich sie nochmal erwische. Zum Beispiel: Ich verfüttere ihnen den Schlüsselbund. Oder ich hänge mir einen Teufelsbraten an den Gürtel statt der Schlüssel. Oder noch etwas Schlimmeres!
Strafe mit Fantasie
Ich weiss noch etwas, das ist viel besser: Du lässt dir drohen. Dann kannst du frech zurückgeben.
Mein Louis ist 9 Jahre alt. Er droht mir ständig: Wenn du mir kein Glacé gibst, laufe ich weg. Wenn ich ins Bett muss, schreie ich laut für immer. Ich sage dann: Gut, schrei du und spring herum. Ich gehe unterdessen ins Casino oder lese draussen in der Bibel. Da steht es übrigens auch schon drin, beim Spruch Nummer 15 und 32: «Wer sich nicht ziehen lässt, der machet sich selbst zunichte.» Also musst du dich erziehen lassen, sonst gehst du daran kaputt! Ich suche jetzt selber auch einen Kindergarten ohne Autorität für Feliz. Aber so wie es ausschaut, gibt es das gar nicht mehr, nirgends. Oder kennst du noch einen? Eben.
Nerven wieder geflickt
Gehorchen kommt von horchen. Deshalb musst du die Ohren immer fest spitzhalten. Was will deine Tochter? Ja will sie denn überhaupt etwas? Viele Kinder wollen ja in Wirklichkeit gar nichts. Dann kannst du dir alle beide Beine ausreissen, es hilft so viel wie ein Mann, der ein Haus stemmt: Nada!
Besser, du lässt die Tochter in Ruhe, dann hast du Frieden. Und deine Nerven heilen rasch. Wie ein abgestecktes Rasenfeld, frisch angesät. Nach vier Wochen ist es wieder schön grün.

Paulo Zedmic (42) hat als Bademeister in sieben verschiedenen Gewässern gearbeitet (sowohl in süssen wie in salzigen).

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Satan Claus und die kleine Weltliteratur

Erlebnisse einst: Bevor die Bernhardiner auf der Rigi einzogen, gingen die Kinder mit Hilda und dem Heuwagen spazieren.
In seinem ersten und letzten Buch beschreibt Dominic Deville meisterhaft einige Halbwahrheiten aus seinem Leben. Im Prinzip ist es eine verkappte Autografie des Fernsehstars, der einst ein Punk war, dann Kindergärtner und nun als erwachsener Entertainer meist einen Anzug trägt. Ausser für Pressefotos, da gibt er sich gern kindisch. "Pogo im Kindergarten" ist grosse Literatur. Es ist ein lustiger Hybrid eines unterhaltsamen Sachbuchs. Deville erzählt seine Geschichten sehr frei, schmückt sie wunderbar aus und bleibt sich selbst treu, indem er die Fakten völlig transparent zu den Zwecken der Fiktion zurecht biegt. Das ist nicht selbstverständlich, das kann nicht jeder und wer heute noch nichts vor hat, der sollte den Satan Claus buchen. Der kommt dann vorbei und man braucht nicht einmal Kinder in der Stube, nur einen Schnaps als Lohn. Der Rest ist lokale Legende.

Samstag, 28. Juli 2018

Denken Sie zweimal, bevor Sie diese Nachricht löschen

Erinnerung ist ein schönes Wort: Es klingt darin sowohl das welsche Souvenir wie die eher deutsche Ermahnung.
Das kleine Kind ist im Kindergarten. Es wird jetzt Guitarre lernen können, doch vorher müssen die Eltern noch das Schulgeld berappen. Oder sagt man berabben? Mit Federer oder dem Republik TV hat das alles nichts zu tun. Ebensowenig mit der Calida, einer Herstellerin von seidigen Pijamas.