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Dienstag, 23. Juli 2019

Sabine ist die Zweite

Sabine trägt gern Pelz und darin tummeln sich ganz viele kleine liebe Tierchen, denen sie kein Haar krümmen würde.
Die Serie der Ignoranten ist ja gendermässig und vom wording her recht ausgeglichen. Die zweite in der Reihe hiess mit Nachnamen Schnyder und war allergisch auf Kritiker von Pelzkleidung.

Donnerstag, 23. Mai 2019

Wie ziehe ich stressfrei um?

Zerquetschte Finger, tobende Nachbarn, für immer verlorene Freunde. All das muss nicht sein, wenn man den Umzug richtig plant.
Gut, man kann auch alles eine Firma machen lassen. Aber erstens kostet das eine Menge. Und zweitens ist es dafür jetzt eh schon zu spät. A propos: Ein Umzug an den bekannten Zügelterminen hat einige Nachteile. Ausgebuchte Mietmöbelwagen, knappes Putzpersonal, Terminstress und vieles mehr. Unglaublich, woran man bei einer Zügelei alles rechtzeitig denken muss: Post, Telefon, Behörden, Sonderabfälle, Nachbarn ... Organisation heisst das Zauberwort, und dafür gibtes im Internet gute Listen, die man schon längst gelesen haben müsste. Doch noch ist nicht alles verloren. Als Stadtnomade mit reger Zügelerfahrung rate ich dazu, die Packerei als Spassevent zu betrachten. Wann kann man sonst ein so grosses Auto fahren? Und wie schön ist es, zuwissen, dass das Rückenweh nicht vom Bürostuhl kommt. Man hat Blasen wie ein Büezer und flauschige Staubfladen im Haar. Endlich bewegt sich was, und das ist ein Grund zum Feiern. Lade also möglichst viele Freunde zur Zügelparty ein. Je mehr Leute mit anpacken, desto freudiger wird das Kistentragen. Und je besser verklebt die Kartons, desto weniger fällt raus. Auch in billigen Einkaufstaschen lässt sich vieles verstauen uhd in kleineren Portionen ohne Mühsal tragen. Stellst du zudem genügend Essen bereit, werden die Freunde fröhlich schleppen und kaum murren. Alles frühzeitig bereitstellen. Aber Achtung: Um die gute Stimmung nicht zu gefährden, muss am Zügeltag alles bereit sein. Nichts ist stressiger, als noch Kisten zuschnüren, während das Zügelteam schon runterbuckelt. Unnötige Ramschtransporte könnten die Helfer verstimmen, deshalb entsorge Gerümpel im Voraus - vielleicht an einem Wohnungsflohmarkt? Zum Putzen brauchts dann wohl doch noch Profis, ausser du hast das Glück, dass deine alte Wohnung renoviert wird.

Donnerstag, 28. März 2019

Was tun Sie eigentlich in den Ferien?

Das dicke Kind rechts aussen hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem amerikanischen Präsidenten. Das Kotzen passt dazu.
«Ich bin Lehrer und Vater von zwei Kindern (3 & 7). Nun wünsche ich mir nichts sehnlicher als eine Auszeit von aller Jugend. Kommen Sie mit mir weit weg in die Ferien?» Walter A. aus L.

Paulo Zedmic: Ich würde ja gerne, aber ich bin leider schon verplant. Da das Hallenbad und der ‹Nebelspalter› über den Sommer zu sind, profitiere ich von verlängerten Ferien. Ich habe eine Pokerreise nach Las Vegas gebucht, dann eine Fastenwanderwoche im Kanton Schwyz und ein theologisches Seminar in einem Schottenkloster.
Da will ich meine moralische Verfassung etwas stärken, man verbraucht ja so viele Nerven mit den Kindern. Ausser mit meinem jüngsten Spross, von dem schon lange nicht mehr die Rede war. Denn er ist mittlerweile ein gutes halbes Jahr alt und so pflegeleicht und ruhig, die ganze Zeit – ein einziger Bébé-Schatz! Davon träumt jeder Erzieher. Er liegt und lächelt tagein, tagaus.
Er bewegt sich nur minim, das hat er wohl vom Vater. Sonst ist er zufrieden, wenn er seinen Brei kriegt. Ich bin sehr gespannt, wie er auf die Diät beim Fastenwandern reagiert. Für mich kann sich der zusätzliche Ballast nur positiv auswirken. Den Kleinen nehme ich natürlich überall mit, auch nach Las Vegas und ins Schottenkloster. Ich habe mir extra aus dem Nebelspalter-Güsel-Sammelwagen einen Babyrucksack gebastelt. Die Gambler werden denken, ich hätte das Ding beim Spiel gewonnen. Die Theologenkollegen werden mich für Christopherus halten.
Katastrophe in Kalabrien
Alles hat seinen Preis. Solène (3) ist schwer eifersüchtig auf ihren kleinen Halbbruder. Sie kommt ja bald in den Kindergarten und war noch nie mit mir in den Ferien. So ist das Leben. Solène verbringt die Ferien wie alle anderen Zöglinge bei ihrer Mutter. Nur ein Mal bin ich ja mit allen meinen damals vier Kindern in die Ferien gefahren, nach Kalabrien – eine Katastrophe. Ich schwor damals zu Poseidon: Das mache ich nie mehr.
Es fing schon auf der Fahrt an, wo die Bälger mir in schöner Mikado-Reihenfolge das ausgeliehene Auto vom Nachbar verkotzt haben. Ich musste in Kalabrien einen Esel schlachten, um die Ledersitze neu zu beziehen.
Das war aber auch der einzige Spass in zwei Wochen Stressferien. Nach zwei Tagen band ich am Strand alle mit einem Seil zusammen, damit sie nicht ins Meer sprangen. Trotzdem verbrachte ich weitere Tage damit, plötzlich fehlende Zöglinge zu suchen. Sebastian stellte den einheimischen Mädchen nach und Louis versteckte sich zwei Tage lang grundlos und spurlos. Ich fand ihn dann kurz vor der Heimreise zufällig in der Gelateria, wo er gemütlich in der Eisablage gelegen hatte. Er war ja schon als Baby ein Phlegma. Seither gehe ich allein in die Sommerferien beziehungsweise nur mit dem unproblematischen Babybub am Rücken. Sorry, Walter.
Grande Finale
Ich freue mich riesig auf die Ferien, da ich sonst viel zu wenig Zeit für meine Hobbys habe. A propos: Ich wurde ja eben noch für eine DJ-Tour nach Malaysia eingeladen. Aus heiterem Himmel! Da gebe ich natürlich gern nochmal zwei Ferienwochen drauf und riskiere sogar, später als meine eintrudelnden Zöglinge zu Hause zu sein. Wenn man weit weggeht, kann man immer Flugstreiks geltend machen und ein paar Tage Verantwortungslosigkeit rausschinden. Was bleibt den Müttern anderes übrig, als das Kind eine zusätzliche Woche zu betreuen? Es ist ja schliesslich auch ihres.

Paulo Zedmic (42) hat auch ein Diplom als Ferientechniker. Seinen schönsten Urlaub verbrachte er auf Madagaskar, wo er sich als Portier im königlichen Harem verdingte.

Montag, 18. März 2019

Verstehen mich meine Kinder überhaupt?

Hyänen lachen Tränen, wenn es nach Andrew Bond geht. Das ist im echten Leben aber zum Glück nicht immer der Fall.
Frage: «Ich habe zwei Töchter (13 und 14), die leider in einem schwierigen Alter sind. Abgesehen
davon, dass wir uns wenig zu sagen haben, finden wir überhaupt keine gemeinsame Sprache. Können Sie vermitteln?»
Lydia I. aus D.

Paulo Zedmic: Nein, ich bin mit meinen sechs Jobs, den Hobbys und der Erziehungsarbeit mehr als ausgelastet, sorry. Natürlich bin ich trotzdem in diversen Stellenportalen präsent und als «Allrounder» auf Arbeitssuche.
Die Gier nach mehr Metall lässt mich weitere Aufträge annehmen. Und ich kann ja wirklich fast alles, vor allem im Umfeld von Medien, Hallenbädern und Casinos: Frag mich also zum Schlauchflicken, Papierschiffbasteln oder Würfelzinken. Bei der Jugendsprache aber kack ich voll ab, denn auch ich verstehe kein Wort von dem, was meine Zöglinge sagen.
Hihi auf monschischisch
Am Anfang ist das ja noch lustig. Wenn Kinder zu zählen beginnen und dabei hin und her hüpfen und Zahlen auslassen, Buchstaben verdrehen und Wörter erfinden wie «Gnö» für «Pneu», «Fotiliat» für eine Kamera oder «Tobeloni» für eine Schoggi in Matterhornform.
Und wenn sie sich gar auf Fremdsprachen wie «monschischisch» versuchen, schnitzeln alle ab. Neue Tiere wie der Trörant oder der Schnipans sind ebenfalls baba und selbst Tante Helene hat nichts dagegen, wenn sie Hyäne genannt wird. Solange Kinder noch an den «Chamilaus» glauben und nicht hinter den «Schüelchrank» gehen, wackt und wuppt es volle Möhe, checksch?
Verstopfter Kanal
Aber kaum werden sie grösser und frecher, hört der Spass auf. Gemeinhin meint man, die Kinder seien vor unflätigen Ausdrücken der Erwachsenen zu schützen. Der Amerikaner ruft nach «elterlichen Anleitung». Dabei ist es klar, dass die Sprache der Jüngsten jedem vulgären Fass den Kopf rausschlägt.
Das kommt vom Scheissleben vieler Teenager, deren erbärmliche Sprachwelt unter normal null ist. Sie dreht sich nur um Grasrouladen und Mandelspülungen, dass man Brocken jubeln muss. Manchem Jugendlichen ist deshalb dringend zu raten, die Orallüftung auszuschalten.
Gute Geheimnisse
Zum Glück dreht sich die Sprache immer weiter. Fäkalsprache lebt sogar besonders heftig wegen den gammligen Maden. Es gibt aber aldige Versuche, die Jugendsprache auf Papier zu bannen, in mit dem Diktionär verwandten Machwerken. Die Übersetzung von Slang gibts sogar mit Zehn-Finger-Rabbat im Internet. Ziel ist wohl die Aufklärung der Erzeuger. Silbersurfer sollten aber die Konsequenzen bedenken, wenn sie wissen, was die Kinder meinen, wenn sie vom Mausen, Hägen, Teebeuteln, Lunzen, Lachsreinhängen, Tackern und Ramsen reden. Sie meinen nämlich damit immer dasselbe – und ja, manchmal ist es wirklich besser, wenn man gar nichts checkt – nur das eine.
Brauchst du weitere Beispiele? Nimm den Satz aus der untersten Schublade meines Sohnes Louis, der neulich vom «Mösenflattern im Fummelbunker» popelte und von der Felleule nebenan, die einen Kasper in der Schublade habe. Gescheiter, man überhört solche Worte bei den eigenen Kindern, sonst muss man sich noch mit der entsprechend heftigen Problematik beschäftigen. Also Ohren zu und juhu, dass man nicht alles mitkriegt. Klink dich aus und bleib flauschig oder mit den Worten von Louis: Chillax!

Paulo Zedmic spricht nicht nur die Jugendsprache unzureichend. Seine Muttersprache hat er verlernt, Fremdsprachen kennt er keine und seine Texte werden ihm zum Glück von der Tochter ins Reine geschrieben.

Freitag, 1. März 2019

Haben Sie unser Enkelkind entführt?

Der Enkeltrick ist nicht einfach zu durchschauen. Ein Entführer dagegen ist an seiner grimmigen Kleidung gut zu erkennen.
Seit Langem lesen wir Ihre Kolumne mit wachsender Skepsis. Nun ist unser lieber Enkel Nils (10 Monate) plötzlich wie verwandelt, leider sehr zum Unguten. Haben Sie ihn etwa mit einem Ihrer Bälger vertauscht? Ernst und Rosa A. aus K.

Paulo Zedmic:
Erlauben Sie mir zuerst einen Scherz, bevor ich Ihnen eine Antwort gebe. Es freut mich nämlich, dass Ihre Skepsis nicht schrumpft! Denn dann wäre sie schon alt und verknöchert. Solange sie wächst, hat sie eine grosse Zukunft, wie Ihr Enkel. Das hat mir mein Freund Basil, der Philosop, so erklärt. Er sagt: Skepsis ist wie ein Schnaps, also sehr wichtig.
Elende Enkeltricks
Ich finde es nicht schlimm, dass Sie mich einer neuen Variante des Enkeltricks bezichtigen. «Bezichtigen», das sagt Basil auch immer. Er ist verdammt gescheit. Nein, es gibt ja immer wieder neue, unverschämte, unverfrorene Arten von Enkelbetrügereien.
Man liest es in der Zeitung. Und man spürt, wie schockiert die Beamten auf dem Polizeiposten über die raffinierten Methoden waren. (Basil sagt «dreist!») Aber von jemandem, der anderer Leute Enkel vertauscht, habe ich noch nie gehört.
Wobei ich mein jüngstes Ding auch schon fast vergessen habe, so ruhig und friedlich schläft es jetzt in seinem Wägelchen. Ein Engel ist das plötzlich, das sage ich Ihnen. Am Anfang war es gerade das schlimmste Schreikind der Erde! Lustig, genau umgekehrt wie bei Ihrem Enkel! Jetzt fällt mir erst auf, dass ich meinem jüngsten Spross auch Nils sage, seit seine Mutter ihn mir überlassen hat. (bzw. uns verlassen hat).
Frispee und Poker
Ich war es nicht! Dafür halte ich meine Hand ins Feuer. Oder sagen wir, wenn ich lüge, halte ich meinen Schlüsselbund in den Bunsenbrenner und spiele dann damit im Garten mit den Kindern russisch Frispee. (Wer fängt, verbrennt sich die Finger).
Wenn Sie aber Ihres Enkels wirklich überdrüssig sind, können wir gern über ein Geschäft reden. Mein Nils ist allerdings nicht verhandelbar. Ihn habe ich nicht mal gesetzt, als ich letzte Woche am Pokertisch tief in die Schuldenzone rutschte. Ich kam dann zum Glück auch ohne ihn wieder ins Plus.
Gesparte Arbeit
Aber von meinen Zöglingen könnten Sie Achim haben. Er ist zwar schon ein paar Jahre älter und einige Pfunde schwerer, dafür müssen Sie ihn nicht mehr wickeln. Und er ist sehr pflegeleicht! (Basil sagt dem «phlegmatisch »).
Oder wollen Sie mir Louis abnehmen? Den Terrorbengel würde ich sofort tauschen, eigentlich ist es mir sogar egal, ob ich etwas dafür kriege. Der Vorteil für Sie: Louis kann schon rechnen und er kennt sich mit Computern aus. Sie sparen so jede Menge Erziehungsarbeit, stellen Sie sich vor: Zehn Jahre nicht schimpfen!
Rechtlich sollte man das mit einem Outsourcing- Vertrag regeln können, meint Basil. Er arbeitet ja, weil man als Philosoph leider kein Geld verdient, in der Rechtsabteilung einer Autoleasing-Firma. Wenn Sie wollen, sage ich auch den Müttern nichts, dass deren eine oder andere Sohn nicht mehr bei mir ist. Also einfach sagen. Interessiert an einem Deal? Ich bin gern für einen Schwatz zu haben. Meine E-Mail kennen Sie ja.

Freitag, 8. Februar 2019

Muss ich der Kleinen immer folgen?

Ihnen wachsen die Tischsitten Ihres Nachwuchses über den Kopf? Herr Zedmic weiss Rat und Tat mit Spinne und Krone.
Zuschrift: Meine Tochter Lisa akzeptiert meine Autorität einfach nie. Ich kann befehlen und drohen und schlagen, wie ich will. Sie kommt mir frech und macht, was sie will. Wie weiter? Rolf B. aus Z.

Paulo Zedmic: Immer ruhig, Kollege! Beim ersten Mal ist mir diese Falle auch passiert.
Deshalb ist mein ältester Sebastian etwas schiefgeraten. Seine Mutter Yvonne hatte aber auch null Autorität. Also musste ich es richten. Ich machte es auf die harte Tour – die Diktatur, verstehst du? Aber, ich sage dir, damals habe ich gelernt: Die Brechstange ist kein gutes Werkzeug für die Erziehung. Man kann damit einen Spind öffnen, ok. Oder ein Loch graben im Rasen. Für Pfähle oder für einen Zaun oder für einen Baum zu pflanzen, egal was, das geht. Dafür ist die Brechstange da. Aber zum Züchtigen nützt sie nicht. Eisen ist viel zu hart, ich schwöre es!
Ich rate dir also, Kollege, hör auf mit Schlagen und Toben. Es bringt nichts. Die Jungen machen eh, was sie wollen. Du sagst es ja.
Dreh wie am Grillspiess
Also was ist besser? Ich habe viel nachgedacht. Mein Freund Basil ist Philosoph. Er hat mich auf die Lösung gebracht: Wenn die Brechstange nichts nützt, muss man sie umdrehen!
So bin ich mit jedem meiner Kinder lockerer geworden. Sie wollen nicht, was du willst? Lass sie laufen! Bei meinem jüngsten Engelchen Feliz befehle ich gar nichts mehr. Ich folge ihr! Das rate ich dir, mein Freund, tu einfach das, was die Tochter sagt. Du musst nur anders denken. Wer ist König? Das Kind ist der König! Basil hat schon recht: Regieren ist eine schwere Bürde. Das Sprichwort aber «Wer zu alt, befiehlt», das ist falsch. Es stimmt überhaupt nicht! Lass deine Tochter befehlen. Wenn sie alles selber machen muss, bist du erleichtert. Wie wenn du ein Eisenrohr fallen lässt. (Aber nicht auf deine Füsse!)
Klar, manchmal musst du drohen. Am besten dafür sind leere Drohungen. Ein kleiner Tipp, mein Freund: Man muss die Strafe nie sagen! Sie wollen ja nur, dass man tobt. Wenn mir jemand an eine weisse Wand kritzelt, stehe ich nur hin und rassle mit dem Schlüsselbund. Dazu schaue ich grimmig.
Ich sage aber nichts. Extra! So malen sich die Bengel selber aus, was geschehen wird, wenn ich sie nochmal erwische. Zum Beispiel: Ich verfüttere ihnen den Schlüsselbund. Oder ich hänge mir einen Teufelsbraten an den Gürtel statt der Schlüssel. Oder noch etwas Schlimmeres!
Strafe mit Fantasie
Ich weiss noch etwas, das ist viel besser: Du lässt dir drohen. Dann kannst du frech zurückgeben.
Mein Louis ist 9 Jahre alt. Er droht mir ständig: Wenn du mir kein Glacé gibst, laufe ich weg. Wenn ich ins Bett muss, schreie ich laut für immer. Ich sage dann: Gut, schrei du und spring herum. Ich gehe unterdessen ins Casino oder lese draussen in der Bibel. Da steht es übrigens auch schon drin, beim Spruch Nummer 15 und 32: «Wer sich nicht ziehen lässt, der machet sich selbst zunichte.» Also musst du dich erziehen lassen, sonst gehst du daran kaputt! Ich suche jetzt selber auch einen Kindergarten ohne Autorität für Feliz. Aber so wie es ausschaut, gibt es das gar nicht mehr, nirgends. Oder kennst du noch einen? Eben.
Nerven wieder geflickt
Gehorchen kommt von horchen. Deshalb musst du die Ohren immer fest spitzhalten. Was will deine Tochter? Ja will sie denn überhaupt etwas? Viele Kinder wollen ja in Wirklichkeit gar nichts. Dann kannst du dir alle beide Beine ausreissen, es hilft so viel wie ein Mann, der ein Haus stemmt: Nada!
Besser, du lässt die Tochter in Ruhe, dann hast du Frieden. Und deine Nerven heilen rasch. Wie ein abgestecktes Rasenfeld, frisch angesät. Nach vier Wochen ist es wieder schön grün.

Paulo Zedmic (42) hat als Bademeister in sieben verschiedenen Gewässern gearbeitet (sowohl in süssen wie in salzigen).

Dienstag, 19. Juni 2018

Die schreiende Frau auf Instagram

Man muss ja immer mal wieder von den eigenen Prinzipien abweichen, heutzutage: Diese Illu wurde auf Instragram geklaut.
Auf Instagram ist vieles automatisiert. Junge Neumitglieder etwa, wie eine von mir besonders und seit Jahren geschätzte Illustratorin, lernen, dass ihre Werke auf mehr Resonanz stossen, wenn sie mit einem Gartenhag getaggt werden. Dann muss man aber auch täglich immer etwas Neues bringen können, damit man wahr genommen wird. Mit der Zeit setzt sich Talent aber durch. Das ist ein Naturgesetz, dass auch auf Kanälen mit beschränkter Halbwertszeit und Hypequalitäten gilt.