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Montag, 17. Juni 2019

Weshalb drücken wir die Daumen?

Die Geste nützt mehr als Daumendrehen - sagen wir. Völlig anders sehen das Amerikaner und Araber.
«lch drücke dir den Daumen», sagen wir,wenn wir einander Glück in einer Prüfung wünschen. Oder Erfolg bei einem Rendez-vous. Daumendrücken ist also im Gegensatz zum Armdrücken weder Kampfsport noch Körperübung, sondern eine Form von mentalem Beistand. Allgemein gilt, dass zwei gedrückte Daumen mehr helfen als nur einer- und mit Bestimmtheit hat Daumendrücken schon mehr bewegt als Daumendrehen.Im Normalfall reicht es, wenn mir jemand sagt, er drücke den Daumen. Manche Leutezeigen es aber gerne gleich vor und lassen beide Daumen wie Kastagnetten neben ihrem Gesicht zappeln. Ich finde das sympathisch. Doch woher kommt nun die Redewendung? 
Vom Galgen abschneiden
Die grusligste Erklärung finde ich auf einem religiösen Internetportal, wo «Daumen drücken», als abergläubisches Gedankengut verpönt ist. Der Begriff komme aus dunklenZeiten, heisst es da mit Berufung auf die «allerersten» Wörterbücher. Damals hätten Körperteile von Gehängten Glück bringensollen. Dem Daumen sei besondere Wunderkraft zugeschrieben worden, sodass man sich gerne mal den Daumen eines Gehängtenvom Galgen abgeschnitten und in den Hosensack gesteckt habe. Nun ja, vielleicht lesen wir besser in einem neueren Wörterbuch.
Daumen in Schrauben
Der Duden-Band Nummer 7, Ausgabe 2001, ist schon nüchterner: «Die Redewendung beruht wohl darauf, dass man seine Hände unwillkürlich zusammenkrampft, wenn man angespannt ganz stark wünscht, dass jemand etwas schafft.» Der Reflex ist gut zu beobachten, sei es bei FCL-Fans auf der Allmend oder bei «24»-Zuschauern vor demFernseher. Auch der Duden verweist auf denAberglauben: So soll das Einklemmen des Daumens vor Albträumen schützen. Autsch. Da drücke ich jenen den Daumen, die mit Daumenschrauben besser schlafen wollen. Amerikaner übrigens drücken einander nicht den Daumen, sondern kreuzen die Finger. Und in arabischen Ländern heben die Leute beide Hände gegen den Himmel und blicken nach oben auf der Suche nach höherem Beistand. Wir lernen: Was zählt, ist die Verrenkung.

Montag, 3. Juni 2019

Warum heisst der Flohmarkt so?

Wer das liest, will sich kratzen. Denn den Begriff Flohmarkt haben wirklich Kleinlebewesen geprägt. Perücken machten es möglich.
Ach, die gute Erymologie. Manchmal scheint mir die Wissenschaft von der Herkunft der Wörter ein Festival der Mutmassungen zu sein. Beim Flohmarkt ist das anders. Dort sind sich für einmal alle Etymologen einig.Denn die Herkunft des Wortes liegt auf der Hand. Der Name des Flohmarkts kommt tatsächlich von den Flöhen, die schon auf den ersten Gebrauchtwarenmärkten mit dabei warenund zusammen mit gebrauchten Kleidernund Perücken den Besitzer wechselten. Mehr Mysterium um das Wort gibt es nicht. Doch es gibt unter den Hobby-Etymologen auch erfinderische Deuter, die trotzdem subversiv versuchen, neue Herkunftsthesen in Umlauf zu setzen. Das englischsprachige Internet-Lexikon wordorigins.org beschäftigt sich mit solchen Mythen, die in der Wortkunde des Alltags umhergeistern. So behaupten manche. das Wort Flohmarkt komme von derTatsache, dass Flohmärkte im Gegensatz zu Korn- und Weinmärkten nie am gleichen Ort gewesen seien, sie wären eben wie ein Floh von Ort zu Ort gehüpft. Bei den anderen Etymologen kam diese These aber nicht so gut an, weil sie offensichtlich von zuweit her gehüpft kam.
Paris, London, Luzern
Belegt ist aber, dass der Ausdruck Flohmarkt aus dem Französischen stammt. In Paris hiessen die Märkte für Gebrauchtwaren zuerst «marché aux puces». Dieser Begriff wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ins Englischeund Deutsche übersetzt und übernommen. Zum Glück hat sich nicht nur das Wort,sondern auch der Flohmarkt selbst auf derganzen Welt etabliert. Natürlich auch in Luzern, wo der Flohmarkt am Reusssteg seit fast 40 Jahren jeden Samstag von Mai bis Oktober Scharen von Schnäppchenjägern anzieht. Neben Kleidern und alten Hüten werden Antiquitäten, Apparate und allerlei Alltagskram angeboten. Liebhaber schätzen das entspannte Markttreiben unter freiem Himmel, wenn auch nicht ganz auszuschliessen ist, dass der eine oder andere Floh aufeinen neuen Besitzer wartet. Das Flohmarkthaus in Luzern ist auch in den Wintermonaten offen.