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Mittwoch, 12. Juli 2017

Wie trainiere ich mein Baby zum Star?




Wieder erreichte unseren Hausdienst-Mitarbeiter Paulo Zedmic eine knifflige Frage. Die Antwort ist lang, aber plausibel.
Wir sind ganz frischgebackene Eltern eines goldigen Jungen. Nun hätten wir gern, dass der Bub ein Star wird. Kann man sein Talent jetzt schon fördern?    Karl & Simona A. aus C.

Aber sicher. Ich frage Sie nur, was für ein Talent er hat. Hat er eins? Ich hoffe, dass Sie es nicht verpasst haben, den Buben während der Schwangerschaft arabisch zu beschallen. Das ist die Grundlage von allem. Wichtig dabei ist der Sound mit Akzent vom Golf. So geht die Sprache der Scheichs Ihrem Bub schon mit der Nabelschnur ins Blut. Schliesslich soll Ihr Wunderbub an der Eröffnung der Fussball-WM in Katar der ganzen Welt ein Ständchen bringen, oder? Richtige Entscheidung! Frühchinesisch im Babyalter ist so falsch wie Mozartbeschallung. Sie müssen vorwärtsdenken, nicht rückwärts oder jetzt.
Antizyklen antizipieren
Finden Sie also rasch heraus, wo die Olympiade 2036 stattfindet. Dodoma? Thimphu? Vaiaku? Überlassen Sie nichts dem Zufall und wetten Sie auf den Übertragungsort. Besser schon jetzt zu viele bestechen als zu wenige zu spät. Das Zauberwort heisst Funktionärsfrühförderung. Sponsern Sie den Sepp Blatter der Zukunft. Er wird es Ihnen und Ihrem Bub danken und Ihre Sitzbadewanne mit Banknoten füllen.
Es ist wie beim Schwimmen. Ich sage meinen Badegästen immer: Zuerst umziehen, dann ins Wasser, nicht umgekehrt. Ob Ihr Experiment glückt, hängt sowieso vom Willen ab. Alles ist mental! Also trainieren Sie den Bub in einer Psychosportart. Ruhig Tennis, warum nicht. Alle denken, es geht
100 Jahre bis zum nächsten Federer. Aber das ist Ihre Chance! Ich versteigere auf Ricardo übrigens gerade einen Tennisballroboter für im Kinderwagen drin. Selbst gebaut, ohne Garantie, greifen Sie zu! Also lassen Sie sich meinen Rat gut durch den Kopf gehen, wenn ich sage: Vielseitigkeit ist out. Spezialisierung ist wichtig! Ihr Baby schreit? Es beweist musikalisches Talent! Gehen Sie bei der Wahl des Musikstils Risiken ein. Sie müssen sich von allen anderen abheben. Verstanden? Machen Sie nichts gleich wie die anderen. Vor allem die bildungsnahen Schichten müssen Sie ausbremsen.
Also Tag und Nacht Lady Gaga abspielen. Immer einfach das neueste Hitzeug ins Kinderzimmer schieben. So wird nichts schiefgehen. Ich verspreche Ihnen eine Rente aus Diamanten des Glücks.
Käferpaste für die Karriere
Mein mittlerer Achim ist ein gutes Beispiel. Geboren 1999. Seine Mutter Inge war besonders sensibel und ambitioniert. Wir setzten damals schon während der Schwangerschaft auf eine Diät mit Millennium-Bugs.
Zudem bereiteten wir den Kleinen seit Geburt auf die virtuelle Zukunft vor. Möglichst keine dreidimensionalen Erfahrungen, dafür digitale Nahrung auf allen möglichen Bildschirmen. Heute hat Achim mehr Facebook-Freunde als die ganze Familie zusammen.
Und er twittert fleissig. Ein blanker Erfolg! Mich wurmt es kein bisschen, dass Achim dafür nie nichts sagt. Und ich trage ihn gern am Morgen in die Schule. Seine 78 Kilo sind kein Problem für mich. Bei der kleinen Feliz Saionara Jamina (3), meinem Herzkäferchen, bin ich ganz allein verantwortlich. Für alles. Ihre Mutter Aisha hat mir die Erziehungsgewalt übertragen.
Gott möge sie dafür strafen, indem er Feliz und mir einen Schrank voll Pokale und drei
Fässer Ruhm gönne. Feliz trainiere ich als Allrounderin. Das ist praktisch: Ich nehme sie einfach zur Arbeit mit. Im Putzwagen hat sie gut Platz. Feliz lernt alles automatisch und sie fällt nicht auf. In der Badi mischt sie sich selbstständig unter die anderen Kinder, dass ich meine Arbeit
tun kann. Ich werfe sie eben ins kalte Wasser des Lebens. So steht sie früh auf eigenen
Füssen. Und wenn ich abends noch auflege oder eine Runde pokern gehe, ist Feliz natürlich auch dabei. Sie kann schon bluffen und hat immer Kartenglück!

Paulo Zedmic (42) hat als Bademeister in sieben verschiedenen Gewässern gearbeitet (sowohl in süssen wie in salzigen).

Dienstag, 11. Juli 2017

Muss mein Sohn Schuhe binden können?

Das Bild spricht eigentlich für sich: Aber wie ging das schon wieder? Eben!
«Mein Sohn ist 15. Bisher hat er nie Schuhe mit Schnürsenkeln getragen und ich vermute, dass er sie gar nicht binden kann. Im Herbst beginnt er eine kaufmännische Lehre. Muss man da nicht Schuhbändel knüpfen können?» Eva R. aus P.

Paulo Zedmic: Nein. Das spielt heute keine Rolle mehr. Abgesehen davon, dass Schuhknöpfe an keiner Schule geprüft werden, gibt es genug Schuhwerk mit alternativen Verschlüssen. Ihr Sohn sollte einfach darauf achten, keine Damenstiefel mit Reissverschluss zu tragen. Oder abgelatschte Joggingschuhe mit Klett, was ja oft ein Synonym für Billigware ist. Mein Ältester, Sebastian, musste das erfahren. Er wurde vor ein paar Jahren von einem Arbeitgeber nach Hause geschickt, weil er nach der Basketballfreinacht direkt und ungewaschen im Sporttenü am Arbeitsplatz auftauchte. Er servierte damals in einem Café, wo es solche Ausfälle einfach nicht verträgt, wegen des Kundenkontaktes. Seither gebe ich ihm immer, egal wohin er geht, frische Wäsche mit auf den Weg. Seb hat ja inzwischen eine eigene Wohnung, aber die Wäsche wasche ich ihm gerne, damit er sich hin und wieder zu Hause zeigt.
Kein Kulturverlust
Selbst wenn Ihr Sohn modische Schuhe vermag, die oft Schnürsenkel haben, braucht er sich keine Sorgen zu machen. Die Jugendlichen wissen sich zu helfen. Sie schnüren ihre Schuhe unter dem Fuss hindurch, so dass das mühsame knüpferische Genöpper hinfällig wird. Dass die Kunst des Schuhbindens verloren geht, ist kein Kulturverlust. Nur Fischer oder Ferientechniker brauchen heute noch das Knopfwissen der Seefahrer. Selbst wenn Ihr Sohn als Model für eine Luxusuhrenmarke auf einem Segelschiff posieren sollte, werden die dekorativen Knoten auf dem Set in der Regel von einer professionellen Ausstattung besorgt.
Kontrolle lohnt sich
Problematischer ist ein anderer Aspekt: Es darf nicht so weit kommen, dass Kinder vor
der Volljährigkeit bestimmen, was sie anziehen sollen. Ich halte es für unabdingbar,
dass Eltern die Kleider ihres Nachwuchses bis zum vollendeten 16. Altersjahr kontrollieren.
Dieser Kampf kann mitunter hart sein, aber er lohnt sich. Korrekt angezogene
Kinder sind erfolgreicher. Viel zu viele Kinder laufen in schrecklich kitschigen, viel zu bunten und mit unsäglichen Motiven versehenen Lumpen herum. Eltern mit Stil aber bezahlen keine Textilien, ohne selbst auszuwählen.

Montag, 10. Juli 2017

Gestatten: Paulo

Unverwüstlich, meine Fresse: Der gute alte Paulo Zedmic ist seit Jahren abgetaucht, aber er sieht immer noch gleich aus.
Lange hat sich die Redaktion überlegt, wer denn in diesem Jahr das erste Sommerloch dieses Blogs stopfen sollte. Weil Ferien wollen ja nie aufhören. Mir scheint, als wäre es erst gestern gewesen, wo der Postkartenfranz eingesprungen ist. Nun aber haben wir den Abwart aus Arbon aufgespürt. Und einer wie Paulo Zedmic sagt nicht nein, wenn man ihn mal an der Angel hat. Er wird also die nächsten paar Tage und Wochen aus seinem reichen Schatz an Erziehungerlebnissen plaudern. Viel Spass damit!

Montag, 24. April 2017

Gruss vom Franz (19) Passage

Das Wasser dankte damals dafür, dass die Passage so gross angeschrieben war. Sozusagen wasserfest.
Liebste Su-Jo,

Es gibt in unserer Stadt hie und da Momente, wo man zu Signalen gelangt, die man nicht ignorieren kann.
Da gibt es nur eins: Umkehren, sonst geht man baden.

nicht wahr, oder?

dein Franz



 

Mittwoch, 12. April 2017

Gruss vom Franz (07) Männer in Blüte

Diese Bildlegende tut nur so, als ob sie eine Information enthielte.
Liebe Marie

Männerfreundschaften sind doch so schön! Stundenlang haben Sebastien, Ergan, Steven und Kurt in den Blütenplantagen Verstecken gespielt. Ergan hat sich so gut versteckt, dass man ihn fast nicht sieht. Leider wurde Steven von einer heimtückischen Blüte am Kragen gepackt und erstickte wenige Minuten später. Er habe es ja geahnt, sagte der eitle Kurt später.

Herzliche Grüsse

dein Franz

Sonntag, 9. April 2017

Gruss vom Franz (04) läppisch

Läppischerweise werden diese Trachten immer noch als Lappenlappen bezeichnet. Obwohl das falsch ist.
Meine Jona,

Auf meiner Reise habe ich den Norden Norwegens passiert, wo ein brutaler Dresscode herrscht. Wer sich nicht in läppischen bunten Lappen kleidet, darf sich nur im Zelt aufhalten. Besonders hart ist es für die Kinder. Sie werden dazu gezwungen, ihre Erinnerungen an Passanten zu verkaufen. Ich kaufte keine - habe ja meine eigenen.

Dein dich nie vergessender,

Franz

Samstag, 8. April 2017

Gruss vom Franz (03) Normal

Der Ortstermin dieses Fotoshootings ist leider schon vorbei. Er fand im Jahre 1974 in Alpnach statt. Ganz normal.
Servus Sabine,

Ich wollte im voll autonomen Nachtzug nach Budapest fliehen. Bei Morgarten wurden wir aber jä überfallen. Nanu, eine geheime Sektion der militanten Kommunisten Innerschweiz?
Es gibt indiskrete Indidizien dafür, aber ich darf nicht mehr schreiben (Stockholm-Syndrom). Die Kampftruppe behandelt mich anständig.

Bisous du Réduit!

Franz

Mittwoch, 5. April 2017

Ferienvertretung

Buffetstürmer aufgepasst: Wer das Lamm zuerst entdeckt, kriegt einen Käse.


Für die Frühlingszeit hat dieser Blog den Postkartenfranz verpflichtet. Er wird uns die nächsten 20 Tage täglich mit einem Gruss überraschen. Niemand weiss, wo er auftaucht, die obige Postkarte erreichte uns via die Seychellen, wo der 1. FC Mülleimer im Trainingslager weilt. Verpflegt wurden die Sportler von Guido und seiner Annemarie. Die beiden Buben taten ihr bestes, um zur Unterhaltung beizutragen. Igor überlegt schon, ob er nach dem Foto alles aufessen darf.