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Samstag, 28. April 2018

Steinbachs Reise ganz kurz nachgezeichnet

Helmut: Man kann sich mit Fug und Recht fragen, was an diesem kaputten Fass so lustig ist, dass man sich derart amüsiert.
Das Urteil ist klar: Beide Daumen hoch für diesen Roman! Es ist zwar kein Erstling, aber doch fiktiver und literarischer als frühere Werke des Journalisten. Weil ich ihn kenne, habe ich das Buch mit besonderem Interesse verschlungen und innert wenigen Tagen gebodigt. Es ist zwar sprachlich nicht immer so knackig wie auf dem Klappentext, wo vom Mutbürger, Wutbürger und Gutbürger die Rede ist. Doch dafür ist das Stück Literatur von Substanz. Und mit gebührender Rasanz erzählt: Grossartig ist die Saunaszene zum Einstieg, dann geht es über einen fatalen Pingpongmatch nach Griechenland, wo der Protagonist unverhofft mitten in die Flüchtlingskrise auf der Insel Lesbos gerät. Auf der mythischen Mönchsinsel Athos schliesslich kommen alle Fäden wieder zusammen.

Mittwoch, 14. März 2018

Matrose mit Musse

Diese Schatten liegen auf dem Limmatplatz faul herum: Wo geht sie jetzt schon wieder hin? Vielleicht nach Bitsch.
Es gibt mehr als eine Ortschaft, die Bitsch heisst. Aber die Billag erlaubt auch das Nachhören von Gesprächen, die vor mehr als fünf Jahren über den Äther gingen. Heute wäre das ein Spitzel.

Sonntag, 5. März 2017

Opfer am Sonntag

Das ist ein Screenshot vom Tatort: Und in TV-Fragen hilft oft nur eines: Abschalten und wegrennen.
Ich fange ungern schon wieder bei meinen Wurzeln an, aber es sind halt mal die Wurzeln aller meiner Übel. Doch wir wollen auch bei diesem Post cool und programmatisch bleiben, und den Gaul, der das Messer am Schwanz hat, comme il faut, von hinten aufzäumen. Mein Vater also entschied eines Sonntags in den frühen 1990-er-Jahren die Sonntagszeitung abzustellen, weil die Lektüre das Familienleben störte. Zeitungen am Sonntag waren damals der letzte Schrei, vielleicht vergleichbar mit Snapchat heute, nur das das Zielpublikum Erwachsene waren. Das Schweizer Sonntagsblatt übrigends floppte, trotz leidlichen Inhalten. Aber es machte Fehler in der Distribution: Statt massiven Kästen wurde es vor Beizen in offenen Plastiksäcken angeboten. Die Leute konnten sich ein Blatt schnappen, ohne zu zahlen, wenn sie am helllichten Sonntag die Nerven dazu hatten. Die Massnahme meines Vaters übrigens wurde durchgesetzt und fruchtete, und als Sohn merkte ich mir: Vaters Ratschläge kann man brauchen. Wir leben heute in kindischen Zeiten, wo sehr viele Menschen am Sonntagabend gemütlich den Tatort gucken. Das tue ich natürlich auch gern. Besser wäre es allerdings, Opfer zu bringen. Weil es gibt wirklich Gescheiteres zu tun, als Medien zu konsumieren.